Zehn Fallen im Supermarkt

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Mit Fitnessberater Patric Heizmann im Supermarkt

Auf Marmeladenetiketten schwingen apfelbäckige Großmütter den Rührlöffel. Verschnörkelte Schriftzüge beschwören “Landliebe” und versprechen: alles “Bio”! Die schöne neue Warenwelt präsentiert sich als nostalgisches Schlaraffenland, naturverbunden und traditionsbewusst. Alles in Butter, oder was?

Der Mann im knapp sitzenden T-Shirt lässt sich nicht blenden. Patric Heizmann (37) kennt alle Marketingtricks und enttarnt jeden Etikettenschwindel. Heute spielt der Fitnesscoach und Bestsellerautor (“Ich bin dann mal schlank”;  im Supermarkt “Ernährungsdetektiv”. Im Stechschritt geht er an Verkäuferin Anita vorbei, die Reiswaffeln mit Lachs anbietet: “Probierstände verführen nur zum Kauf!” Dann stößt er zügig zur Gemüsetheke vor.


Zehn Fallen im Supermarkt

1. Subtile Hintergrundmusik soll entspannen und zu Mehrkäufen verführen.
2. Nostalgie-Namen suggerieren Qualität und Tradition – was oft nicht zutrifft.
3. “Bio”-Label garantieren nicht immer “gesunde” Produkte. Beispiel: Auch Biolimonade enthält sehr viel Zucker.
4. Getöntes Licht lässt Wurst und Schinken in der Fleischtheke rosiger aussehen.
5. Fantasie-Namen gaukeln Qualität vor. Beispiel: Nur wenn Schafskäse Feta (nicht Patros) heißt, ist Schafsmilch drin.
6. Light-Produkte versprechen geringeren Fettanteil, enthalten dafür aber mehr Zucker.
7. Volle Regale – Achtung: Frische-Falle! Was vorn steht, muss als Erstes weg. Immer Verfallsdatum prüfen!
8. Getarnte Inhaltsstoffe “Modifizierte Stärke” = Zucker!
9. Aufpoliertes Obst ist meist gespritzt, die Schale gewachst.
10. Produkte in Augenhöhe sind teure Markenware, für günstige muss man sich bücken.


Was darf man eigentlich noch essen? Heizmann gibt grünes Licht: Alles! Vorausgesetzt, es hat Saison: “Erdbeeren im Winter braucht kein Mensch!” Und sollte im Apfel mal der Wurm drin sein – umso besser: “Ein Beweis, dass das Obst nicht gespritzt wurde.” Lange bleibt er bei den Walnüssen stehen, den Musterschülern im Regal. Nüsse speichern Eiweiß und gute Omega-3-Fette, sind Kraftfutter fürs Gehirn, sehen ja schon aus wie zwei Hirnhälften. Tipp: Wenn’s beim Schütteln klackert, sind die Nüsse eingetrocknet. Je weniger Geräusche, desto frischer.

Seit Heizmann mit seiner Schlank-Show durch Deutschland tourt, gilt er als neuer Ernährungspapst. Und weil es auf seinem Kreuzzug gegen Hüftgold und “Nasch-Demenz” viel zu lachen gibt, folgen ihm seine Jünger aufs Wort. Das neue Werk aus seinem Haus “Ich bin dann mal einkaufen . Der Schlankführer durch den Supermarkt“ räumt auf mit überholten Glaubenssätzen und erteilt verfemten Lebensmitteln wie Butter die Absolution: “Nichts gegen Butter, am besten irische, denn auf der grünen Insel fressen die Kühe noch Gras.”

Patric Heizmann:” Mit Glutamat kriegt man sogar Dachpappe schmackhaft”

Geduldig nimmt er die Reporterin mit in die geheime Welt der Inhaltsangaben, die oft so klein gedruckt sind, dass man eine Lupe bräuchte. Und eine Übersetzungshilfe. Nur so viel: Wenn pauschal “Gewürze” im Kleingedruckten steht, kann damit alles gemeint sein, auch Baumrinde. Mit Glutamat kriegt man sogar Dachpappe schmackhaft. Glukose, Fruktose, Saccharose – alles nur Tarnnamen für Zucker. Grobe Richtlinie: Je kürzer die Inhaltsliste, desto besser.

Weiter geht es zu Heizmanns Lieblingen: Lachs (“viel Eiweiß, gute Fette”), Eier (“gut für die Augen”) und Tiefkühlgemüse (“ein gesundes Abendbrot besteht aus Gemüse mit etwas hochwertigem Öl”). Und natürlich: Wasser. Vor den Getränkeregalen mit Aufklebern wie “Frische”, “Fun”, “Fitness” hebt der Meister den Zeigefinger: “Säfte gehören nicht in die schlank machende Ernährung!” Grund: Sie sind mit viel Zucker angereichert. Dunkle koffeinhaltige Brause entzieht den Knochen zudem Kalzium. Auch bei Limonade gilt: Die Gleichung “Bio ist gesund” geht nicht immer auf. Heizmann: “Am besten ist Mineralwasser. Oder man kocht Wasser mit einer Ingwerwurzel auf.”

Patric Heizmann: “Keine Nachsicht mit Chips

Weit hinten im Supermarkt lauern Heizmanns Erzfeinde: kleine Tüten, die vollwertige Menüs versprechen, und eingeschweißte Fertiglebensmittel, deren Haltbarkeit oft über Monate reicht. Das mag praktisch sein, gesund ist es nicht. Alles, was lange halten soll, wird erhitzt oder anderweitig bearbeitet – der Geschmack geht dabei verloren und wird durch künstliche Aromen ersetzt. Keine Nachsicht auch mit Chips und Flips, Müsliriegeln und jenen salzigen Crackern, die an harten Arbeitstagen den Mittagsimbiss ersetzen. Schlecht, sehr schlecht, lerne ich. Die fluffige Kombi aus Salz, Zucker, Fett und Weißmehl macht nicht satt und meldet dem Gehirn: “Mehr davon!” Und Schokolade? Da gibt der Mann endlich mal nach. “Einen hohen Kakaoanteil sollte sie haben, und es sollte bei wenigen Stückchen bleiben.” Beim Naschen gilt wie bei anderen Verführungen: Auf die Dosis kommt es an.