Wie sich Tumorzellen im Körper verbreiten

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Wie gelangen dicke Tumorzell-Cluster durch dünne Kapillargefäße? Amerikanische Forscher haben dafür eine Erklärung gefunden – und möglicherweise einen Weg, die Metastasierung zu unterbinden.

Krebs ist besonders wegen seiner Fähigkeit, Metastasen zu bilden, gefürchtet. Wenn dieser Prozess eingesetzt hat, findet man oft kleine Klumpen von zwanzig bis hundert Tumorzellen im Blut. Da diese sogenannten zirkulierenden Tumorzell-Cluster größer sind als die winzigen Kapillargefäße des Körpers, ist unklar, ob sie tatsächlich die Ursache für die Metastasen sind oder ob Letztere aus einzelnen Tumorzellen hervorgehen.

Eigentlich müssten die Tumorzell-Cluster wegen ihrer Größe in den Kapillargefäßen hängenbleiben. Dazu passt allerdings nicht, dass man sie im venösen Blut nachweisen kann. Blut, das aus der Armvene entnommen wird, hat die Kapillargefäße der Lunge und der Finger passiert und dürfte eigentlich keine Klumpen mehr enthalten, wenn sie zu groß für die Kapillargefäße wären. Sam Au vom Massachusetts General Hospital in Boston und seine Kollegen haben jetzt eine Erklärung für dieses Paradox gefunden.

Wie sie in den „Proceedings“ der nationalen Amerikanischen Akademie der Wissenschaften berichten, lösen sich die Tumorzell-Cluster vor der Passage durch die Kapillargefäße auf, passieren die Zellen das Gefäß einzeln, um danach wieder zu verklumpen. Belegt wird dies durch Strömungsuntersuchungen in künstlichen Mikrokanälen, durch Computersimulationen und durch Arbeiten mit transparenten Zebrafischen. Es gibt Hinweise darauf, dass man die geordnete Passage der Tumorzell-Cluster durch die Kapillaren möglicherweise stoppen und so die Metastasierung unterbinden kann.