Wenn Schnarchen krank macht

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Nicht nur nervtötend, sondern auch gefährlich: Wer unregelmäßig schnarcht und Atemaussetzer hat, hat ein höheres Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Prof. Arzt erklärt, warum ein Besuch im Schlaflabor Leben retten kann.

1.Warum schnarchen einige Menschen und andere nicht?

Prof. Arzt: Ob jemand schnarcht oder nicht, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zunächst einmal gilt: Je älter man ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man schnarcht. Untersuchungen haben darüber hinaus gezeigt, dass Männer häufiger schnarchen als Frauen. Und auch Übergewicht und Adipositas können die nächtlichen Schnarchgeräusche auslösen.  Hinzu kommen Allergien und anatomische Ursachen, welche die oberen Atemwege verengen und dafür sorgen, dass Gaumenzäpfchen und -segel lautstark mit dem Atem vi­brieren – etwa eine Unterkieferfehlstellung oder eine krumme Nasenscheidewand.

Unser Experte: Prof. Dr. Michael Arzt
Als Professor für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Schlaf- und Beatmungsmedizin leitet Arzt das Schlafmedizinische Zentrum der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II an der Universität Regensburg. 2016 erhielt er den Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP).

2. Gehören auch junge Menschen zu den Betroffenen?

Prof. Arzt: Durchaus. Unter den bis 24-Jährigen schnarchen rund 20 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer. Im Alter zwischen 45 und 55 Jahren sind statistisch gesehen die meisten Menschen vom Schnarchen betroffen: 45 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer leiden unter entsprechenden Symptomen. Ab 65 Jahren gehen die Zahlen zurück. Hier schnarchen nur noch rund 31 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer.

3. Warum schnarchen Männer generell häufiger als Frauen?

Prof. Arzt: Das hat allem Anschein nach hormonelle Gründe. Frauen sind bis zu den Wechseljahren offenbar durch das Hormon Östrogen geschützt. Für diese Theorie spricht unter anderem, dass Frauen, die nach der Menopause sogenannte Hormonsubstitutionen einnehmen – also Östrogene in Form von Tabletten, Pflaster oder Gel – deutlich seltener Probleme mit dem Schnarchen haben als Frauen, die keine Substitutionen erhalten. 

4. Wann ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen?

Prof. Arzt: Sofern der Betroffene nachts unter Atemaussetzern leidet. Sind die Störgeräusche sehr laut, röchelnd und werden sie von Pausen unterbrochen, spricht einiges dafür, dass eine sogenannte Schlafapnoe, die gefährliche Variante des Schnarchens, vorliegt. Von einer Apnoe spricht man, wenn ein Patient mehr als fünf Atemaussetzer pro Stunde erleidet. Das Tückische ist jedoch, dass man die Aussetzer selbst meist gar nicht bemerkt.  Einen Hinweis auf eine Apnoe liefert vielmehr die Tatsache, dass die Betroffenen morgens häufig übermüdet sind, teilweise unter hohem Blutdruck leiden und ihre Leistungsfähigkeit nachlässt.  Wenn Sie entsprechende Symptome bei sich feststellen, sollten Sie Ihren Schlafrhythmus unbedingt überprüfen lassen. 

5. Was passiert, wenn eine Apnoe nicht behandelt wird?

Prof. Arzt: In diesem Fall steigt das Risiko für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Schlaganfall. Durch die ständigen Atemstillstände sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut, die Kohlendioxid­konzentration steigt an und Stresshormone werden ausgeschüttet. All das hat Einfluss auf Organe wie das Herz oder die Blutgefäße. Studien haben gezeigt: Eine schwere Apnoe mit mehr als 30 Atemaussetzern pro Stunde verdreifacht das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Deshalb ist es wichtig, Betroffene zu behandeln. Mittlerweile gibt es zahlreiche Methoden, die die Atempausen im Schlaf beheben oder minimieren können.

6. Kann man dem Schnarchen eigentlich auch vorbeugen?

Prof. Arzt: Bis zu einem gewissen Grad schon. So sollte man darauf verzichten, Alkohol zu trinken. Durch den Genuss alkoholischer Getränke senkt sich der Muskeltonus, also der Spannungszustand der Muskulatur im Rachenraum, sodass der Atemantrieb reduziert wird. Das weiche Gewebe im Rachen erschlafft und Schnarchlaute entstehen. Vermeiden Sie darüber hinaus Übergewicht. Fettgewebe setzt auch im Rachenraum an. Hier verengt es die Atemwege und erhöht das Schnarchrisiko. Außerdem sollte man darauf achten, nicht in Rückenlage zu schlafen. Mögliche Maßnahmen sind, sich einen Tennisball in den Schlafanzug zu nähen oder eine Rückenlagevermeidungsweste zu tragen. All das kann den störenden Lauten vorbeugen.