Was Sie über Fleisch wissen sollten

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Die Grillsaison beginnt – doch die Vorfreude auf gesellige Abende im Freien ist bei so manchem getrübt. Wer zu viel Fleisch isst, soll ein höheres Krebsrisiko haben und das Klima schädigen, heißt es zum Beispiel. Aber was ist wirklich dran an den Warnungen? Und wie genießt man Fleisch verantwortungsbewusst und ohne Gesundheitsrisiko? Wir haben bei Experten nachgefragt.

Fleisch-Fakten 1-6

1. Laut einer Studie der WHO sind Wurst und rotes Fleisch krebserregend. Stimmt das?

Im Herbst 2016 meldete die Weltgesundheitsorganisation WHO: Die Gefahr, an Krebs zu erkranken, erhöht sich durch den Verzehr von verarbeiteten Fleischwaren wie Wurst und möglicherweise auch durch den Verzehr von rotem Fleisch. Die Nachricht löste Verunsicherung aus. Wie gefährlich ist Fleisch wirklich?

“Betrachtet man die Krankheitsrisiken, dann ist Fleisch sicherlich eines der problematischsten Lebensmittel, das wir derzeit kennen”, bestätigt Prof. Dr. Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE). Dennoch sieht der Experte keinen Anlass zur Panik. “Es gibt viele weitere Risikofaktoren für Krebs. Man kann Fleisch bedenkenlos essen, es kommt lediglich auf die Menge an.”

2. Essen wir zu viel Fleisch?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu essen. Das sind 15 bis 31 Kilogramm pro Jahr – und da liegt der Durchschnittsdeutsche deutlich drüber: Pro Kopf beträgt der Fleischverbrauch bei uns im Schnitt knapp 61 Kilo jährlich.

Und diese große Lust auf Fleisch hat Folgen für Umwelt und Tiere und fördere zum Beispiel die Massentierhaltung, warnen Experten immer wieder. Und wie steht es um unsere Gesundheit? “Wir essen wesentlich mehr Fleisch, als wir brauchen”, sagt Prof. Dr. Heiner Boeing. “Um unseren Nährstoffbedarf zu decken reicht die Hälfte von dem, was wir aktuell zu uns nehmen. Aus gesundheitlicher Sicht gibt es keine Begründung dafür, mehr Fleisch zu essen, als die DGE es aktuell empfiehlt.”

3. Ist Geflügel gesünder?

Viele Diäten setzen auf Geflügel. Es ist fettärmer als rotes Fleisch und liefert wichtige Proteine. Aber ist es auch gesünder? “Geflügel zeigt zumindest nicht die Risikobeziehung zu Krebs, die zuletzt für verarbeitete Wurstwaren und rotes Fleisch erkannt wurde”, erklärt Prof. Boeing.

“Es spricht also nichts dagegen, Geflügel zu essen. Aber daraus zu folgern, dass wir alle nur noch weißes Fleisch essen sollten, ist auch verkehrt. Es geht vielmehr um die Menge an sich. Wenn wir grundsätzlich unseren Fleischkonsum reduzieren, dann ist ein Mix aus rotem Fleisch und Geflügel völlig okay.” Und gerade beim Geflügel steht auch immer wieder die Haltung und der Einsatz von Antibiotika in der Kritik. “Weniger ist mehr”, sagt deshalb auch die Stiftung Warentest und mahnt: Die bisher üblichen Fleischmengen können unter tierschutzgerechten Haltungsbedingungen nicht weiter erzeugt werden. Die Experten raten Verbrauchern auch, beim Geflügelkauf auf Bio-Siegel zu achten.

4. Darf man nur noch Bio-Fleisch kaufen?

In einer Analyse von 60 Fleischstudien kamen Forscher der Newcastle University im Dezember 2016 zu dem Ergebnis, dass Bio-Fleisch im Vergleich zu konventionell produziertem Fleisch etwas mehr gesündere Fettsäuren enthält. “Trotzdem hat Bio für mich weniger mit dem gesundheitlichen als vielmehr mit dem moralisch-ethischen Aspekt des Fleischkonsums zu tun”, sagt Prof. Boeing.

“Es geht insbesondere darum, wie die Tiere gehalten und gefüttert werden – und da gibt es bei Bio einfach Unterschiede zur herkömmlichen Tierzucht. Die Haltungsbedingungen sind oft besser und das Futter hochwertiger.” Die Tiere haben meist mehr Platz im Stall und auch der Auslauf im Freien ist anders geregelt. Das Mindestmaß an Anforderungen erfüllen Lebensmittel, die mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet sind. Verbände wie Demeter, Naturland oder Bioland haben jeweils zusätzliche Kriterien, die man auf den entsprechenden Webseiten nachlesen kann.

5. Ist eine vegetarische Ernährung besser fürs Klima?

Die Auswirkungen unserer Ernährung auf das Klima sind groß. Gerade die Produktion von Fleisch, der Transport und die Lagerung verursachen erhebliche Mengen an Treibhausgasen und verbrauchen wichtige Ressourcen wie Wasser. Auch für die Sojaproduktion als Futtermittel für die Tiere wird viel Fläche benötigt – und dafür insbesondere in Südamerika in großem Stil Regenwald abgeholzt.

“Wenn wir über Fleisch sprechen, müssen wir also zwingend auch über die Themen Klima und Nachhaltigkeit reden”, findet Prof. Heiner Boeing. Er und andere Experten sind sich sicher, dass es erhebliche positive Konsequenzen für unser Klima hätte, wenn wir weniger Fleisch essen würden. Bevorzugt man dann noch Produkte aus der Region, bei denen lange Transportwege wegfallen, tut das der persönlichen Klimabilanz zusätzlich gut.

6. Sollte ich jetzt komplett auf Fleisch verzichten?

Ob man zum Vegetarier oder Veganer wird, ist und bleibt eine persönliche Entscheidung. “Aus gesundheitlicher Sicht gibt es keinen Grund für eine rein vegetarische Ernährung”, bringt es Prof. Boeing auf den Punkt.

“Vergleicht man eine vegetarische Ernährung mit einem Überkonsum an Fleisch, dann ist sie sicherlich besser und gesünder. Und auch wer sich aus moralischen oder ethischen Gründen für eine fleisch- oder tierfreie Ernährung entscheidet, darf das natürlich tun. Aber nichts spricht dagegen, im Rahmen einer generell pflanzenbasierten Ernährung, kleine Mengen Fleisch zu essen. Denn auch wenn es ohne geht: Für eine gesunde Ernährung ist ein gewisser Fleischanteil wegen der Nährstoffe, die im Fleisch stecken, auf keinen Fall etwas Schlechtes.”