Warum Sie Ihren ängstlichen Hund trösten sollten – und was Sie dabei unbedingt beachten müssen

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Was bedeutet Trösten?
Trösten ist kein spezifisches Verhalten und mehr oder weniger eine Worthülse, die jeder selbst füllt. Trösten bedeutet für mich, seinem Hund bewusst zu helfen und darüber nachzudenken, wie man dem Hund am besten durch die schwierige Situation hilft, damit der Hund sich besser fühlt.
Neben dem Trösten in schwierigen Situationen, wenn Angstauslöser plötzlich auftreten, gehört aber immer ein gut durchdachtes und strukturiertes Training, damit der Hund beim Auftreten von Angstauslösern Alternativen lernt, die ihn entspannen und ihm Sicherheit geben. Ansonsten wird es Ihrem Hund ohne Sie weiterhin sehr schlecht gehen, wenn es z.B. gewittert oder laut knallt.

Was Trösten nicht ist!
Trösten bedeutet nicht, dass Sie gemeinsam mit Ihrem Hund leiden sollen. Natürlich, ist es wichtig, den Hund ernst zu nehmen und sich in ihn hineinzufühlen – Sie sollten sich aber selbst nicht stressen lassen und Angst um Ihren Hund haben. In so einem Zustand können Sie selbst nur schwer klar denken und vergessen dabei schnell die trainierten Strategien, die Ihrem Hund helfen. Außerdem verhalten Sie sich dann oft bedrohlich in den Augen Ihres Hundes, was es Ihrem Hund nicht leichter macht. Ihr Hund wird Sie in so einer Situation bedrohlich finden, weil Sie sich ganz anders als sonst verhalten – Sie werden hektischer oder vielleicht auch ruhiger als sonst, werden gereizt oder fangen sogar an zu weinen. Und Sie werden Ihren Hund plötzlich gar nicht mehr aus den Augen lassen, was Ihren Hund irritieren wird.

Atmen Sie einmal tief ein und aus und nehmen Sie anhand der Körpersprache Ihres Hundes wahr, was ihm hilft und was er gerade nicht braucht. Überlegen Sie, was Ihr Hund gern mag und wie er aussieht, wenn es ihm gut geht. Setzen Sie sich unbedingt in entspannten Situationen mit der Körpersprache Ihres Hundes auseinander und lernen Sie die Feinheiten seiner Körpersprache kennen.

Trösten bedeutet nicht durch blinden Aktionismus, dem Hund Leberwurst in den Rachen zu schieben oder ihn auf den Schoß zu nehmen und unter Zwang zu knuddeln. Es bedeutet, dass ich mir Strategien überlege, die zu meinem Hund passen und die ihm in so einem Moment gut tun. Deshalb müssen Sie auch außerhalb der schwierigen Situation diese Strategien trainieren und anwenden.

Warum Trösten hilft?
Wenn Sie für Ihren Hund da sind und ihm durch die Situation helfen und diese für Ihren Hund erträglicher machen, wird es Ihrem Hund besser gehen. Ihr Hund fühlt sich besser und die angenehmen Emotionen, die Sie bei ihm auslösen, schwächen die negative Emotion Angst ab. Außerdem helfen Sie Ihrem Hund durch Aufmerksamkeitsteilung, wenn Sie ihm eine Beschäftigung anbieten. Wenn Ihr Hund etwas tun kann, wird er sich besser und nicht mehr ausgeliefert fühlen – weil er seine Situation aktiv verbessern kann.

Sie können die Angst Ihres Hundes nicht durch Belohnungen verstärken, weil sich kein Mensch und auch kein Hund danach sehnt Angst zu haben. Durch eine Belohnung, durch Zuwendung und durch helfendes Trösten fühlt sich der Hund emotional besser. Er wird sich dadurch nicht bestätigt fühlen in seiner Angst und auch nicht versuchen, sich wieder so zu fühlen. Denn Angst schützt vor Gefahren und solche Situationen sollen vermieden werden. Oder träumen Sie öfter davon endlich wieder Angst zu haben? Wenn Sie vor Spinnen Angst haben und plötzlich eine Spinne auftaucht, Sie Angst empfinden und Ihnen dann plötzlich jemand ein leckeres Eis in die Hand drückt, wird die Angst vor den Spinnen nicht größer. Entweder widmen Sie sich Ihrem Eis und verknüpfen die Situation mit der Spinne sogar als angenehm oder Sie flüchten mit dem Eis in der Hand und die Angst vor den Spinnen ändert sich gar nicht.

Wie können Sie Ihrem Hund durch Trösten helfen?
Die Grundregel lautet: Helfen Sie Ihrem Hund und machen Sie etwas, was Ihrem Hund gut tut und nicht (nur) Ihnen.

Berührungen
Möchte Ihr Hund generell gern angefasst werden, dann haben Sie gute Chancen, dass er es auch in angstauslösenden Situationen mag. Wenn Sie Ihren Hund gut kennen, wissen Sie, an welchen Stellen Sie ihn streicheln können, damit er sich entspannt und woran Sie erkennen, dass sich Ihr Hund entspannt.

Wichtig ist, dass Sie das Ausdrucksverhalten Ihres Hundes im Blick haben und wissen, ob er auch in schwierigen Situationen angefasst werden möchte. Und dass Sie diese Berührungen auch in entspannten Situationen praktizieren und nicht plötzlich damit beginnen, wenn Ihr Hund Angst hat. Führen Sie Kuschelzeiten über den Tag an einem bestimmten Ort in der Wohnung ein und laden Sie Ihren Hund zum Entspannen ein.

Durch das Entspannen über Massagen oder Streicheln wird beim Hund Oxytocin ausgeschüttet. Das kennen viele unter dem Namen Kuschelhormon. Es bewirkt, dass die Ausschüttung des Stresshormon Cortisol reduziert wird und es senkt die Herzfrequenz des Hundes. Auch wenn der Hund schon Angst hat, wird durch wohltuenden Körperkontakt Oxytocin beim Hund ausgeschüttet. Es ist wichtig, dass Sie nicht erst in den schwierigen Situationen beginnen, Ihren Hund zu streicheln – Ihr Hund wird sich wundern und ist wahrscheinlich sogar gestresst, weil er es so gar nicht kennt.

Körperkontakt
Wenn Ihr Vierbeiner Ihre Nähe sucht, dann lassen Sie ihn auch zu sich. Manche Hunde mögen Kontaktliegen lieber als Streicheln. Auch dabei wird beim Hund Oxytocin ausgeschüttet.

Wenn Ihr Hund nicht berührt werden möchte, können Sie auch ein Thundershirt oder Swaddle Wrap einsetzen. Durch den engen Sitz wird ein gleichmäßiger Druck auf die Körperoberfläche ausgeübt und die Ausschüttung von Oxytocin angeregt. Bitte probieren Sie solche Hilfsmittel immer erst in entspannten Situationen aus, um sicher zu gehen, dass Ihr Hund sich damit wohlfühlt und Sie wissen, wie Sie es Ihrem Hund anziehen müssen.

Wo möchte sich Ihr Hund aufhalten?
Wohin zieht sich der Hund zurück, wenn er Angst hat? Wenn das möglich ist, lassen Sie Ihren Hund sich zurückziehen. Wenn sich Ihr Hund gern unter das Bett verkriecht oder im Gästebad Schutz sucht, dann lassen Sie ihn. Setzen Sie sich zu ihm und lesen ein Buch, denn es hilft Ihrem Hund auch nicht, wenn Sie ihn besorgt mit großen Augen beobachten. Das wird Ihren Hund irritieren, weil er Ihren Gesichtsausdruck genau kennt – so schauen Sie auch, wenn Sie mit Ihrem Hund schimpfen. Seien Sie für Ihren Hund da, aber bleiben Sie selbst entspannt.
Stimmungsübertragung zwischen Menschen und Hunden funktioniert übrigens nicht – zumindest kann sich Ihr Hund nichts von Ihnen abschauen oder sich ein Beispiel nehmen. Aber Hunde beobachten uns Menschen immer sehr genau und erkennen sehr schnell die kleinsten Feinheiten. Und durch das enge Zusammenleben mit Ihnen, weiß Ihr Hund genau, wie Sie aussehen, wenn Sie gut gelaunt sind und alles in Ordnung ist und wie Sie aussehen, wenn Sie sauer sind und Ihr Hund Sie lieber in Ruhe lassen sollte.

Futter, gefüllte Kongs oder Kauartikel
Wenn Ihr Hund noch Futter nehmen kann, bieten Sie ihm gefüllte Kongs oder Kauartikel an. Meist eignen sich hochwertige Dinge besser als reines Trockenfutter, weil die Motivation des Hundes diese zu fressen höher ist. Wenn Sie wissen, ob Ihr Hund besser entspannt durch Kauen oder Schlecken, setzen Sie es bewusst – aber nicht nur – in schwierigen Situationen ein. Beim Fressen schütten Hunde Endorphine aus, welche Angst reduzieren können. Wenn Ihr Hund noch essen kann, wird es ihm besser gehen, wenn er sich mit einem Kong oder Kauartikel beschäftigen kann.

Futterpuzzles, Suchaufgaben oder Tricks
Ihr Hund kann etwas aktiv tun, was er gern macht und sich dadurch auch auf etwas anderes konzentrieren. Das hilft ihm die Situation zu bewältigen und löst positive Emotionen bei Ihrem Hund aus. Während des Suchens wird wie beim Spielen im Hundegehirn Dopamin im Belohnungszentrum ausgeschüttet. Findet Ihr Hund dann Futter oder einen Kong werden zusätzlich Endorphine freigesetzt. Dadurch wird bei Ihrem Hund eine gute Stimmung ausgelöst.

Sie können bei Ihrem Hund auch positiv aufgebaute Signale oder Tricks abfragen, die er schon sehr gut beherrscht und an denen er Spaß hat. Dabei ist Freiwilligkeit wichtig – der Hund sollte nicht durch laute Worte dazu gebracht werden, Signale oder Tricks zu zeigen. Die Signale und Tricks, die Sie abfragen, sollten Ihr Hund im Vorfeld durch Belohnungen erlernt haben. Auch der Einsatz von Targets hat sich in schwierigen Situationen bewährt.
Auch wenn Ihr Hund gar keine Angst zeigt, können Sie Ängsten vorbeugen, wenn Sie schwierige Situationen mit guten Ereignissen für Ihren Hund verknüpfen.

Wodurch wird die Angst Ihres Hundes schlimmer?
Die Angst Ihres Hundes wird größer, wenn Sie sich so verhalten, dass Ihr Hund noch mehr Angst bekommt, weil Sie schimpfen oder sich ärgern. Für viele Hunde ist es sehr irritierend und stressend, wenn Sie plötzlich Dinge tun, die Sie sonst nie machen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie Ihren Hund mit Massagen, Kong, Suchaufgaben, Tricks, einem Rückzugsort und allen anderen Hilfsmitteln schon vorher bekannt machen.
Ihrem Hund wird es auch nicht besser gehen, wenn Sie ihn in der Situation lassen oder immer näher an den Angstauslöser heran bringen. Dabei steigt außerdem das Stresslevel Ihres Hundes und dadurch kann wiederum schneller Angst- und auch Aggressionsverhalten ausgelöst werden.

Die Angst Ihres Hundes zu ignorieren, wird ihm die Situation nicht vereinfachen. Vielleicht haben Sie Glück und Ihr Hund war gut belastbar und hat es wegstecken können, aber im schlimmsten Fall ist Ihr Hund stark gestresst gewesen und beim nächsten Mal reagiert Ihr Hund schneller und intensiver auf diesen Angstauslöser.

In nächsten Artikel erfahren Sie, wie Ihr Hund mehr Selbstvertrauen gewinnt und wie Sie Ihren Hund dabei unterstützen können.