Viagra: Harry liebte sich zu Tode.“ 

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„Das traurige Ende von Harry Howorth aus dem kalifornischen Städtchen Visalia war sogar dem Kölner Express eine Schlagzeile wert. „Kurz nach dem Sex“, zitierte das Blatt Harrys Ehefrau Gerri, „lag er mit offenen, glasigen Augen im Bett, zwei Tage später starb er.“

Woran, blieb offen. Für Pfizer waren Meldungen wie diese aber Anlaß genug, noch einmal ausdrücklich auf eine unheilvolle Allianz von Viagra mit bestimmten blutdrucksenkenden Medikamenten hinzuweisen: Sildenafil verstärkt die Wirkung nitrathaltiger Herzmittel, die auch deutsche Ärzte millionenfach verschreiben. Treffen die Inhaltsstoffe von Viagra und einem Herzmittel wie Isoket, Pentalong oder Nitrolingual in Körper zusammen, kann der Blutdruck derart stark und plötzlich abfallen, daß der Patient einem Herzstillstand erliegt.

Viele der Männer, die dieses Schicksal nach der Einnahme von Viagra ereilte, nahmen zugleich Medikamente gegen Diabetes, überhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck und andere Erkrankungen. Bei einem der Infarktopfer standen elf verschiedene Arzneien zugleich auf der Verordnungsliste.

Doch auch Partydrogen wie die in Riechfläschchen vertriebenen „Poppers“ ergeben im Verein mit Viagra einen tödlichen Cocktail: Die Tropfen mit Amylnitrat, die vor allem in der Homosexuellenszene kursieren und den ultimativen Kick beim Sex versprechen, senken ebenfalls den Blutdruck und können ähnlich wie nitrathaltige Herzmedikamente zum Kollaps führen.

Der unbändige Drang nach heißen Liebesnächten läßt viele Männer selbst vor solch tödlichen Kombinationen nicht zurückweichen: Herztabletten hin, Blutdrucksenker her mit

Viagra läßt sich der Lebensabend verschönern, selbst auf die Gefahr hin, dabei „für immer steif“ zu bleiben, wie die Berliner tageszeitung bissig schrieb

Weitgehend unklar sind auch die Risiken einer Kombination von Viagra mit sogenannten Protease Inhibitoren, die in der Aidstherapie eingesetzt werden, und bestimmten Antibiotika. Vertreter dieser Arzneiklassen schwächen die Funktion eines Leberenzyms, des Cytochroms P450 3A4, das den Viagra Wirkstoff Sildenafil wieder abbaut und dadurch seine Wirkung auf wenige Stunden begrenzt. Läuft diese „Entgiftung“ nur noch mit halber Kraft, kann Sildenafil überhöhte Konzentrationen im Blut erreichen. Da die Ergebnisse detaillierter Untersuchungen zu solchen Unverträglichkeiten noch ausstehen, sollte Viagra generell nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden.

Die europäische Arzneimittelbehörde in Brüssel wird versuchen, diesen bekannten und womöglich weiteren noch unentdeckten Risiken bei der bevorstehenden Zulassung von Viagra für den europäischen Markt Rechnung zu tragen, indem sie die Zielgruppe stark einschränkt. In einem Gutachten hat sich die Europäische Agentur für die Bewertung von medizinischen Produkten, von deren Votum die Brüsseler Entscheidung maßgeblich abhängen wird, dafür ausgesprochen, daß der Arzt Viagra nur dann verschreiben darf, wenn beispielsweise eine Herz Kreislauf Schwäche, niedriger Blutdruck und ernste Lebererkrankungen sicher auszuschließen sind. Für einen Großteil der schätzungsweise dreißig Millionen potentiellen Viagra Kunden in Europa dürfte damit der Traum vom blaßblauen Sex auf Rezept platzen.