Vergesslichkeit: Was tun bei Gedächtnisproblemen?

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Dass man hin und wieder etwas vergisst, ist normal. Es gibt aber auch krankhafte Formen von Vergesslichkeit, die sich teilweise deutlich von unbedenklichen Gedächtnislücken unterscheiden! Alles zu Ursachen, Behandlung und Vorbeugung.

Vergesslichkeit ist ein Phänomen, das wohl jeder kennt. Wem ist es nicht schon passiert, dass er etwas verlegt, einen Namen nicht mehr erinnert oder einen Termin verschwitzt hat? Bis zu einem gewissen Grad ist dies völlig normal. Besonders wenn ungünstige Einflüsse wie Stress und zu wenig Schlaf ins Spiel kommen, steigt das Risiko, dass selbst Organisationstalenten mal etwas durchrutscht.

“Normale” versus krankhafte Vergesslichkeit

Die “normale” Vergesslichkeit kann mit steigendem Alter zunehmen. Das liegt daran, dass sich manche biologische Vorgänge mit der Zeit verlangsamen. Solange keine weiteren Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit hinzukommen, ist dies noch kein Grund zur Sorge.

Erst wenn sich die individuelle Gedächtnisleistung stark verschlechtert, ist eine Störung oder krankhafte Vergesslichkeit in Betracht zu ziehen. Dann kommt es zu deutlichen Einschränkungen im Alltag, etwa beim Einkaufen, bei der Hausarbeit oder beim Wahrnehmen von Terminen.

Eine umfassendere Symptomatik liegt bei einer Demenzerkrankung (also einer organischen Hirnerkrankung wie Alzheimer) vor, bei der charakteristischerweise weitere geistige Fähigkeiten, zum Beispiel Konzentrationsvermögen, Orientierungssinn und/oder Lernfähigkeit beeinträchtigt sind. Häufig geht eine Demenz auch mit Persönlichkeitsveränderungen einher. Betroffene sind womöglich reizbarer, aggressiver oder ängstlicher als früher. In der Regel tritt eine Demenzerkrankung eher im höheren Lebensalter auf. Typisch für eine Demenz ist ein fortschreitender Krankheitsverlauf.

Vergesslichkeit kann verschiedene Ursachen haben

In gewissem Rahmen ist Vergesslichkeit eine ganz normale Reaktion des Gehirns, zum Beispiel in Stressphasen oder mit zunehmendem Alter. Gedächtnisschwäche kann aber auch Resultat krankhafter Veränderungen sein. Folgende Ursachen kommen dann infrage:

  • Demenzerkrankungen, also Erkrankungen, bei denen es zu einer fortschreitenden Beeinträchtigung geistiger Fähigkeiten kommt. Zum Beispiel:
    • Alzheimer
    • vaskuläre Demenz: Arterienverkalkung an den kleinen Gehirnarterien als Folge von anhaltendem Bluthochdruck
    • gemischte Demenz: gemeinsames Auftreten von Alzheimer und vaskulärer Demenz
    • Lewy-Körperchen-Demenz bedingt durch spezielle strukturelle Veränderungen des Gehirns durch Eiweißablagerungen in bestimmten Nervenzellen. Die Lewy-Körperchen-Demenz kann sowohl als eigenständige Erkrankung als auch im Rahmen einer Parkinson (Morbus Parkinson): Symptome, Ursachen und Verlauf auftreten.
  • Schädel-Hirn-Trauma nach Unfall
  • Schlaganfall
  • Meningitis (Hirnhautentzündung)
  • Stoffwechselkrankheiten wie Schilddrüsenunterfunktion
  • Eisenmangelanämie
  • Vitamin-B12-Mangel
  • chronischer Alkoholmissbrauch
  • Medikamente
  • psychische Erkrankungen wie
  • Hirntumor

Angst vor Demenz bei Vergesslichkeit oft unbegründet

Demenzerkrankungen, insbesondere Alzheimer und vaskuläre Demenz, sind häufige Alterskrankheiten. Etwa 1,5 Prozent der 65- bis 69-Jährigen und bereits 30 Prozent der über 90-Jährigen sind betroffen. Viele ältere Menschen denken daher sofort an Demenz, wenn sie hin und wieder etwas vergessen. Doch vor allem leichte kognitive Störungen sind häufig die Folge normaler Alterungs- und Abbauprozesse.

Wichtig zu wissen ist auch, dass derartige leichte, alterungsbedingte Gedächtnisstörungen häufig konstant bestehen bleiben, ohne sich weiter zu verschlechtern. Mitunter kann eine im Alter auftretende Vergesslichkeit auch in Zusammenhang mit einer Depression, Mangelerscheinungen oder auch bestimmten Medikamenten stehen. Insofern ist die Angst vor Demenz in vielen Fällen unbegründet und die Vergesslichkeit ganz anderen Ursprungs, der gegebenenfalls behoben werden kann.

Allerdings: Eine Demenz beginnt nicht selten mit zunächst gelegentlichen Gedächtnisstörungen. Insofern ist eine ärztliche Abklärung wichtig, wenn die Beschwerden gehäuft auftreten und folgende Begleitsymptome aufweisen:

  • Orientierungsproblemen
  • Sprach- und Schreibstörungen
  • zunehmende Aggressivität

Eine möglichst frühzeitige Diagnose und Behandlung durch den Arzt sind häufig ausschlaggebend. Alzheimer und andere Formen der Demenz lassen sich zwar nicht heilen, können aber durch Medikamente teils günstig in ihrem Verlauf beeinflusst werden. Daher ist es in jedem Fall wichtig, zum Arzt zu gehen, wenn übermäßige Vergesslichkeit auftritt.

Diagnose und Tests bei Vergesslichkeit

Bei Hinweisen auf eine krankhafte Vergesslichkeit sollte möglichst frühzeitig ein Arzt konsultiert werden. Denn je früher eine entsprechende Therapie eingeleitet wird, desto besser sind meist die Erfolgsaussichten. Auch primäre Demenzerkrankungen wie Alzheimer lassen sich dadurch positiv beeinflussen.

Bestandteil der Diagnostik sind das ausführliche Patientengespräch (Anamnese) sowie die Befragung Angehöriger und enger Bezugspersonen (Fremdanamnese). Dabei erkundigt sich der Arzt nach Beginn, Verlauf und Begleitumständen der Vergesslichkeit sowie möglichen weiteren Symptomen. Zu den wichtigsten Fragen zählen:

  • Hat sich die Vergesslichkeit beispielsweise langsam oder plötzlich entwickelt?
  • Gibt es weitere Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Wahnvorstellungen?
  • Liegen neben der Gedächtnisstörung auch psychische Auffälligkeiten wie Traurigkeit und Niedergeschlagenheit vor?
  • Wurden Wesensveränderungen wie Aggressivität oder eine verstärkte Ängstlichkeit beobachtet?
  • Hat sich der Tagesablauf (Schlafverhalten, Essverhalten, Pflege sozialer Kontakte) verändert oder sind Alltagsaktivitäten (Einkaufen, Hausarbeit, Beruf) durch die Vergesslichkeit und weitere Symptome eingeschränkt?
  • Wie oft wird Alkohol konsumiert und werden Medikamente eingenommen?
  • Sind Grunderkrankungen bekannt oder gab es kürzlich Infektionen, Unfälle oder Gehirnverletzungen?
  • Gibt es in der Familiengeschichte Fälle von Demenz?

Untersuchungen bei Verdacht auf krankhafte Vergesslichkeit

Neben Anamnese und Fremdanamnese gehören die körperliche Untersuchung des Patienten sowie neuropsychologische Tests zur Feststellung der Ausprägung von Gedächtnis- und anderen Gehirnleistungsstörungen, eine Blutabnahme, Laboruntersuchungen sowie bildgebende Verfahren zur Darstellung des Gehirns wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zu den Maßnahmen, die der Arzt in der Regel durchführen wird.

Wenn nach den Basisuntersuchungen noch keine Aussage zur Ursache der Gedächtnisstörungen möglich ist, können je nach Ausgangsverdacht weitere Untersuchungen folgen:

  • spezielle bildgebende Verfahren zur Darstellung der Gehirnfunktion, zum Beispiel Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
  • Untersuchung des Nervenwassers (Lumbalpunktion)
  • Messungen der elektrischen Aktivität des Gehirns mittels Elektroenzephalographie (EEG)
  • Ultraschalluntersuchungen der gehirnversorgenden Gefäße (Doppler- und Duplexsonographie)
  • Untersuchung der Dopamintransporter (DAT) zum Nachweis eines eventuellen Verlusts spezieller sogenannter dopaminerger Nervenzellen mittels Single-Photon-Emissions-Computertomographie (SPECT)
  • psychologische Tests
  • psychiatrische Untersuchungen

Was tun gegen Vergesslichkeit? Möglichkeiten der Behandlung

Die Therapie bei krankhafter Vergesslichkeit richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und kann in unterschiedlichem Maße zu einer Verbesserung der Lebensqualität bis hin zur vollständigen Wiederherstellung der Gedächtnisfunktion beitragen.

Medikamentöse Therapie krankhafter Vergesslichkeit

Zu den pflanzlichen Nootropika (Medikamente zur Verbesserung der Hirnleistung) zählen Ginkgo-Extrakte, die bei bestimmten Formen von Hirnleistungsstörungen (mit Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Ohrensausen) zum Einsatz kommen können.

Eine spezifische medikamentöse Therapie mit sogenannten Antidementiva (etwa Galantamin, Donepezil, Rivastigmin, Memantin) kann bei Vorliegen einer Demenz das Fortschreiten der Erkrankung eventuell hinauszögern oder helfen, die vorhandenen geistigen Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten.

Mitunter ist – je nach Ursache – auch eine zeitlich begrenzte Anwendung von Antidepressiva oder Antipsychotika notwendig.