Überlebenschancen steigen ständig: Diese Krebsarten sind heute oft heilbar

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Krebs bedeutet oft kein Todesurteil mehr. Neue Medikamente und Therapien haben die Prognose bei vielen Krebsarten deutlich verbessert. Welche das sind und welche in Zukunft noch dazu kommen werden.

  • Zwar erkranken immer mehr Menschen in Deutschland an Krebs. Aber ihre Heilungschancen stehen besser als vor zehn Jahren.
  • Die Überlebensrate bei Leukämien ist extrem gestiegen.
  • Krebs bei Kindern lässt sich viel besser behandeln als früher.
  • Schwarzer Hautkrebs ist gut behandelbar – auch wenn es bereits Metastasen gibt.

Wer an Krebs erkrankt, kann heutzutage hoffen. Die Überlebensraten bei vielen Krebsarten sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. „Die größten Durchbrüche gab es in der hämatologischen Onkologie, also für bestimmte Formen der Leukämie und Lymphom“, berichtet Hermann Brenner, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg. Bei einigen dieser bösartigen Erkrankungen habe sich die 5-Jahres-Überlebensrate innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte um rund 20 Prozentpunkte verbessert.

Auch viele Krebsarten bei Kindern seien heute viel eher heilbar als früher, fügt der Wissenschaftler hinzu, Chef der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung sowie kommissarischer Leiter der Abteilung Präventive Onkologie am DKFZ.

Malignes Melanom – neue Therapien verbessern Überlebensraten

Positives zu berichten gibt es auch seit Kurzem bei schwarzem Hautkrebs, dem malignem Melanom. Dieser Krebs hat bei früher Diagnose eine sehr gute Prognose, eine Heilung im fortgeschrittenen Stadium (Stadium IV, mit Metastasen), war in der Vergangenheit jedoch sehr schwierig, „Doch hier gab es in den letzten Jahren durch neue Medikamente erhebliche Fortschritte“, sagt Brenner.

Auch bei Brustkrebs und Darmkrebs – Tausende überleben

Allerdings handelt es sich bei Leukämien, Lymphomen und metastasiertem malignen Melanom um Krebsarten, die eher selten sind im Vergleich zu den häufigsten Karzinomen wie Brustkrebs und Darmkrebs. „Doch auch hier steigt die Überlebensrate“ sagt der Epidemiologe.

  • Beispiel Brustkrebs: In den Jahren 2003/2004 betrug die 5-Jahres-Überlebensrate knapp 85 Prozent, 2011/2012 bereits knapp 90 Prozent.
  • Beispiel Darmkrebs: Im gleichen Zeitraum stieg die 5-Jahres-Überlebensrate von knapp über 60 auf etwas über 65 Prozent.

Auch wenn das auf den ersten Blick kein großer Anstieg sein mag – bei den hohen Fallzahlen (Brustkrebs mehr als 70.000 Neuerkrankungen, Darmkrebs mehr als 60.000 pro Jahr) handelt es sich jedoch um Tausende von Patienten, deren Leben gerettet wurde.

Warum die Überlebenschancen bei Krebs ständig steigen

Ursache für diesen erfreulichen Trend sind zwei Faktoren:

1. „Ganz wichtig ist die Früherkennung, die insbesondere bei Darmkrebs eine große Rolle spielt“, betont Brenner. Hier gab es mit der Einführung der Vorsorge-Koloskopie große Fortschritte. Ein Karzinom wird dabei in den meisten Fällen so früh identifiziert, dass es sich erfolgreich behandeln lässt. Wird Darmkrebs im Stadium 1 entdeckt, liegt die Überlebensrate bei 90 Prozent! Oder noch besser: Die Koloskopie identifiziert bereits Krebsvorstufen wie etwa Polypen so rechtzeitig, dass sie sich gar nicht mehr zu Krebs entwickeln können, weil sie während der Untersuchung sofort entfernt werden.

2. Stetig verbesserte Therapien gegen Krebs: Ein Beispiel ist dabei die Behandlung bestimmter Formen von Brustkrebs wie des HER2-positiven Mammakarzinoms. Hier konnten gezielte Antikörper-Therapien die Überlebensraten erheblich verbessern.

Krebstherapie der Zukunft

Und wie sieht die Zukunft aus? Wird Krebs in absehbarer Zeit bei allen Patienten heilbar sein? Davon kann noch niemand ausgehen, allerdings wird Krebs in Zukunft seltener eine tödliche Krankheit und häufiger eine chronische Krankheit werden, die in Intervallen immer wieder nachbehandelt wird.

Zwei Ansätze sind besonders vielversprechend:

1. Personalisierte Onkologie  mit differenzierten, gezielten Behandlungsmaßnahmen, die sich gegen den individuellen Krebstyp richten und deshalb besonders gut wirken (Targeted Therapy)

2. Immuntherapien aktivieren das körpereigene Abwehrsystem und unterstützen in der Krebsbekämpfung. Aktuelles Beispiel ist hier die neue Immuntherapie bei fortgeschrittenen Melanomen.

Krebsfälle steigen an – mehr als 400.000 Neuerkrankungen pro Jahr

Doch leider steigt die Zahl der Krebsfälle ebenso kontinuierlich an wie die Überlebensraten. „Dieser Anstieg der Krebsdiagnosen ist zu einem großen Teil demografisch bedingt“, erklärt der Experte. Krebs tritt vor allem im Alter auf und unsere Gesellschaft wird immer älter. Damit steigt auch die Zahl der Krebsfälle.

Eine weitere Erklärung für die Zunahme sei auch, dass Prostatakarzinome häufig diagnostiziert und behandelt werden (pro Jahr mehr als 65.000), die eigentlich nicht behandlungsbedürftig wären. „Hier werden teilweise auch durch ein Zuviel an Diagnostik Menschen zu Patienten gemacht“, bemerkt Brenner dazu.

Doch es gibt auch in diesem Zusammenhang Positives: Nicht jede Krebsart nimmt zu. Die Anzahl der Fälle von Darmkrebs sinkt inzwischen deutlich, bedingt durch erfolgreiche Vorsorge. Auch Lungenkrebs bei Männern nimmt ab – bei Frauen allerdings leider (noch) nicht.

Die Beispiele machen deutlich, wie wichtig Prävention und Vorsorge bei Krebs sind. Am besten ist es , dass Krebs erst gar nicht entsteht und behandelt werden muss. Hier sieht der Experte die größten Chancen, um die Zahl der Sterbefälle durch Krebs zu verringern. Dabei ist aber auch die Gesundheitspolitik gefordert, die richtigen Akzente zu setzen – etwa durch konsequentere Maßnahmen in der Tabakprävention und die Weiterentwicklung gut organisierter Vorsorgeprogramme.