„Karotten sind gut für die Augen“

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„Iss schön deine Möhrchen! Das ist gut für die Augen.“ Diesen Spruch werden viele schon einmal gehört haben. Und was einem in der Kindheit so eingetrichtert wird, das hält sich oft hartnäckig und wird nie mehr hinterfragt. Wir haben die wichtigsten Augenmythen für Sie unter die Lupe genommen.

„Karotten sind gut für die Augen“

Karotten enthalten große Mengen des Pflanzenfarbstoffs Beta-Karotin, deshalb sind „Möhrchen“ tatsächlich gut für die Augen. Genauer gesagt: für die Netzhaut, wo in Millionen von Sinneszellen – den Stäbchen und Zapfen – aus Lichtimpulsen Nervensignale entstehen.

Beta-Karotin wird im Körper in Vitamin A umgewandelt, das für die Bildung der Sehpigmente Rhodopsin und Iodopsin benötigt wird. Während das in den Zapfen befindliche Iodopsin für das Farbsehen verantwortlich ist, spielt das Stäbchenpigment Rhodopsin – der Sehpurpur – bei der Hell-Dunkel-Anpassung der Netzhaut eine wichtige Rolle. Der sehr lichtempfindliche Sehpurpur sorgt dafür, dass wir im Dunkeln nicht schwarz sehen. Nehmen wir zu wenig Beta-Karotin mit der Nahrung auf, macht sich das als Erstes durch eine getrübte Sicht bei Nacht bemerkbar und kann im Extrem sogar zur Nachtblindheit führen. Extra „scharf“ machten Karotten das Sehvermögen allerdings nicht.

Wer seinen Augen etwas Gutes tun möchte, sollte Möhren (oder auch Paprika) am besten roh essen oder frisch gepressten Möhrensaft trinken. Kurz gegartes – blanchiertes – Gemüse ist ebenfalls okay. Und noch ein Tipp: Da Vitamin A zu den fettlöslichen Vitaminen gehört, lässt sich die Verwertbarkeit des Provitamins durch einen Stich Butter „an die Möhrchen“ oder etwas Olivenöl an die Paprika steigern.

„Gähnen hilft bei trocknen Augen“

Trockene Augen sind sehr lästig – dagegen hilft tatsächlich ein einfacher Trick: Gähnen. Dadurch werden die Augen befeuchtet. Wer generell öfter mit trockenen Augen kämpft, sollte außerdem darauf achten, dass er genügend trinkt. Weitere Stellschraube kann die Feuchtigkeit in der Luft sein. Das bedeutet – insbesondere im Winter – bei trockener Heizungsluft immer mal wieder Stoßlüften.

„Beim Schielen können die Augen so bleiben“

Mit diesem Spruch versuchen Eltern schon seit langer Zeit, ihre Kinder vom Schielen abzuhalten. Aber keine Angst, es gibt keinen einzigen Fall, bei dem so etwas jemals dokumentiert worden wäre. Diese Behauptung gehört also klar ins Reich der Märchen. Anders sieht es aus, wenn nicht willentlich geschielt wird, aber die Augen trotzdem schräg stehen. Hier sollten Sie baldmöglichst zu einem Augenarzt, um die Sehbehinderung behandeln zu lassen.

„Lesen im Dämmerlicht verdirbt die Augen“

Unzähligen Kindern wurde erzählt, dass sie nicht unter der Bettdecke oder bei schlechtem Licht lesen sollen.

Dass die Augen dadurch dauerhaften Schaden nehmen, ist jedoch wohl ein Märchen. Wissenschaftliche Beweise gibt es dafür nicht. Wer viel liest, sollte trotzdem für eine gute Beleuchtung sorgen, um die Augen nicht über Gebühr anzustrengen. Sonst fangen die Augen irgendwann zu tränen oder zu schmerzen an. Normalerweise erholen sie sich aber anschließend in aller Regel wieder.

„Wer zu nah am Fernseher sitzt, schadet seinen Augen“

Dauerhaft schaden tut es den Augen nicht, wenn sie zu nah am Fernseh-Bildschirm platziert werden. Allerdings kann sie das ermüden und reizen. Wer allerdings den Drang hat, sich immer sehr nah am Gerät zu positionieren sollte, so rät der Berufsverband der Augenärzte, mal seine Augen checken lassen. Es kann nämlich gut sein, dass eine bereits bestehende Fehlsichtigkeit, zu dieser Vorliebe führen kann.

„Bildschirmarbeit macht trockene Augen“

Das kann stimmen. Die Medizin nennt dies das „Office-Eye-Syndrom“. Gemeint ist ein Reizzustand des Auges infolge Computerarbeit. Maßgeblich dafür sind Feuchtigkeitsverluste auf der Augenoberfläche. Die Frequenz des Lidschlags, der für eine Befeuchtung des Auges sorgt, ist bei starrem Blick auf den Bildschirm deutlich reduziert. Während die Blinzelfrequenz normalerweise 10 bis 15 Lidschläge pro Minute beträgt, kann es bei der Arbeit am Computer passieren, dass Sie nur noch einmal pro Minute mit den Augen klimpern. Gönnen Sie Ihren Augen also immer mal wieder eine Pause und: Das Blinzeln nicht vergessen!