Jeder zehnte Euro wird in Deutschland illegal kassiert

16 total views, 1 views today

Die Schwarzarbeit ist dank guter Wirtschaftszahlen auf dem Rückzug. Experten prognostizieren für 2017 eine weitere deutliche Abnahme. Würde die Politik anders handeln, wäre aber noch mehr möglich.

Immer weniger Menschen in Deutschland arbeiten schwarz. Laut einer Prognose des Linzer Ökonomen Friedrich Schneider und des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) aus Tübingen wird die Schattenwirtschaft in diesem Jahr um 1,8 Prozent sinken. Grund dafür ist die gut laufende Wirtschaft und die anziehende Beschäftigung.

„Bessere Beschäftigungsmöglichkeiten in der offiziellen Wirtschaft führen dazu, dass weniger Personen ihre Arbeitskraft in der Schattenwirtschaft anbieten“, teilten Schneider und das IAW mit. Insofern gehe rund die Hälfte des erwarteten Rückgangs darauf zurück, dass die wirtschaftliche Lage in Deutschland weiterhin gut sei.

Die Schattenwirtschaft macht nach Schätzungen der Experten im laufenden Jahr insgesamt etwa ein Zehntel des offiziellen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Genau genommen waren es demnach 10,4 Prozent oder 0,4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr 2016, als es 10,8 Prozent gewesen sein sollen. Im historischen Vergleich ist das sehr niedrig: Ihren bisherigen Höchststand erreichte die illegale Beschäftigung 2003 mit 16,7 Prozent. Doch durch die Reformen der Agenda 2010 ging diese dann sukzessive zurück. Einzig im Rezessionsjahr 2009 stieg diese noch mal an.

Unter Schattenwirtschaft verstehen die Experten Schwarzarbeit sowie illegale Arbeitnehmerüberlassung und andere Formen illegaler Beschäftigung oder Tätigkeiten. Schneider und das IAW veröffentlichen jedes Jahr eine Vorhersage zu diesem Sektor, bei der es sich ihren Angaben nach um die Ergebnisse einer „modellgestützten Prognose“ handelt. Belastbare Daten zu dem Bereich illegaler Tätigkeiten gibt es naturgemäß nicht.

Neben der Konjunktur wird aber auch die Entlastung bei der Steuergesetzgebung laut den Berechnungen der Wirtschaftswissenschaftler zu einem deutlichen Rückgang der Schwarzarbeit führen. Um der kalten Progression entgegenzuwirken, hebt der Staat nämlich in diesem und im nächsten Jahr die Eckwerte des Einkommensteuertarifs um 0,73 und 1,65 Prozent an.

Deutschland im Vergleich nur im Mittelfeld

Dadurch werden Arbeitseinkünfte bis zu einer bestimmten Grenze geringer belastet. Obgleich die Reduktion nur gering ausfällt, wird die Schwarzarbeit laut Voraussage so um drei Milliarden Euro schrumpfen. Noch deutlich größer wäre der Effekt, wenn der Staat die komplette kalte Progression, die sich seit 2010 angehäuft hat, abbauen würde.

Kalte Progression ist ein Phänomen, bei dem der Fiskus seine Einnahmen durch Preissteigerungen und die gestiegenen Einkünfte der Steuerpflichtigen deutlich steigert. Würde er diese Mehreinnahmen durch eine Anpassung des Tarifs zurückgeben, wäre die Schwarzarbeit 2017 um 4,5 Prozent geringer.

Einen gegenläufigen Effekt hat der Prognose zufolge die Anhebung des flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro auf 8,84 Euro zum 1. Januar. In der Folge wird mit einem Zuwachs der Schattenwirtschaft im Volumen von 300 Millionen Euro gerechnet.

Verglichen mit den übrigen Industrienationen, liegt die deutsche Schwarzarbeitsquote im Mittelfeld: Die südeuropäischen Länder Griechenland, Italien und Spanien sind die Spitzenreiter. Bei den Griechen beträgt der Anteil der illegalen Beschäftigung am Bruttoinlandsprodukt 21,5 Prozent, bei den Italienern sind es 19,8 Prozent und bei den Spaniern 17,2 Prozent. Geradezu vorbildlich sind hingegen die Schweiz mit sechs Prozent und Österreich mit 7,6 Prozent. In allen Ländern sagen die Forscher für 2017 aber einen Rückgang voraus.