Ist es schädlich, bei Harndrang „einzuhalten“?

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Manchmal passt es einfach nicht. Die Blase drückt und du müsstest eigentlich dringend eine Toilette aufsuchen. Aber die verfügbare Toilette ist dir nicht genehm, du hast keine Lust, aufzustehen oder die Situation ist gerade sehr ungünstig. Solltest Du darauf achten, dass du immer „kannst“, wenn du „musst“? Wie ist das mit dem Harndrang eigentlich so?

Warum muss ich „plötzlich“ Pipi?

Wenn du unter Stress stehst, kannst du eine „nervöse Blase“ bekommen. Diese führt dazu, dass du schneller den Reiz verspürst, zur Toilette gehen zu müssen. Eine gesunde Blase kann 300-500ml Flüssigkeit fassen. Verspürst du den Drang, urinierst aber deutlich weniger, dann sprich mit deinem Arzt, um ernsthafte Erkrankungen ausschließen zu können.

Erhöhter Harndrang kann auch ein Symptom von einer abgesunkenen Gebärmutter, einer Nierenerkrankung, Herzerkrankung oder schlichtweg einer Schwangerschaft sein!

Wenn du Medikamente einnehmen musst und dann einen erhöhten Harndrang verspürst, kann es sein, dass das Medikament daran schuld ist. Lies dir den Beipackzettel gut durch. Ist Harndrang eine der möglichen Nebenwirkungen, hast du die Ursache schon entdeckt!

Auch eine Blasenentzündung kann Grund für übermäßigen Harndrang sein. Das Wasserlassen schmerzt oder brennt und meistens ist nach nur wenigen Tropfen schon Schluss

Trotzdem gut trinken!

Je mehr du trinkst, desto besser. Dein Urin sollte immer ganz klar, nur sehr leicht gelb gefärbt und nahezu geruchslos sein. Dann hast du genug getrunken. Ist er gelb und riecht, ist das ein eindeutiges Signal dafür, dass du mehr trinken musst!

Viel Flüssigkeit sorgt dafür, dass deine Harnwege stets gut durchgespült werden und schädliche Viren und Bakterien sich nicht lange genug in deinen Harnwegen aufhalten können, um Schaden anzurichten und dir einen Harnweginfekt zu verursachen. Mindestens 1,5 bis 2 Liter Trinkmenge sollten es schon pro Tag sein!

Wie kannst du vorbeugen?

Ist die Ursache deines Harndrangs stressbedingt und du leidest unter einer „nervösen Blase“ kannst du gute Erfolge mit Entspannungsübungen wie autogenem Training erzielen. Auch Beckenbodengymnastik, besonders nach der Schwangerschaft, hilft!

Wie entsteht Harndrang?

Die Blase ist, wie der Name schon sagt, ein sehr dehnbares „Gefäß“ im Unterleib, in dem sich der Urin samt der sich darin befindlichen Abbauprodukte befindet. Je voller die Blase wird, desto mehr dehnt sich das Gewebe aus.

Irgendwann melden Rezeptoren an der Blase, dass der Füllstand so langsam aber sicher sein Maximum erreicht und melden dies über das Rückenmark weiter an das Gehirn. Von dort bekommst du die Botschaft in dein Bewusstsein übermittelt.

Aber nur, wenn in deinem Oberstübchen und Rückenmarkt noch alles richtig funktioniert, denn das „Anhalten“ muss man erst lernen und das Bewusstsein dafür entwickeln. Babies zum Beispiel entleeren ihre Blase unbewusst.

Erst im Laufe der ersten Lebensjahre lernen Kleinkinder, wie man das Wasserlassen unterdrücken kann und den Schließmuskel anspannt, um nicht buchstäblich „auszulaufen“.

Gibt es Unterschiede im Harndrang?

Böse Zungen behaupten, Frauen müssten eigentlich „immer“ und auch „ständig“ zur Toilette, um Wasser zu lassen. Das liegt daran, dass die Blase einer Frau tatsächlich weniger Flüssigkeit aufnehmen kann als die eines Mannes.

Der Grund: Im Bauchraum der Frauen muss auch noch Platz für die Gebärmutter sein – und das geht zu Lasten der Blase.

Im Durchschnitt fasst die Blase einer Frau etwa 150ml weniger als die eines Mannes – und das kann schon zu Diskussionen auf langen Autofahrten führen… Aber auch Männer können ein „Sextaner-Bläschen“ besitzen.

Je feinfühliger die Rezeptoren auf eine Dehnung der Blase reagieren, desto eher setzt auch der Harndrang ein. Das hast nichts mit dem Geschlecht zu tun, ist aber auch zum Beispiel durch Stressmanagement trainierbar.

Schadet das „Einhalten“?

Wer auf die Toilette muss, kann den Harndrang eine Zeit lang unterdrücken. Doch sei versichert: Nur extrem wenige Menschen schaffen es, ihren Harndrang so lange zu unterdrücken, dass es gefährlich werden könnte.

Alle anderen Menschen sind so „programmiert“, dass der Schließmuskel irgendwann selbsttätig öffnet, bevor Schäden entstehen. Wir machen uns also buchstäblich in die Hosen. Das Gerücht, dass „Einhalten“ zu einer erhöhten Bakterienzahl in der Blase führe, ist und bleibt ein Gerücht.

Beim gesunden Menschen kommen die Bakterien immer nur von außen in die Blase – und werden, solange sie sich im Harnleiter aufhalten, vom Urin beim nächsten Toilettenbesuch wieder weggespült, bevor sie in der Blase ankommen und dort Schaden anrichten könnten.

Im Urin selbst befinden sich keine Bakterien. Mache dir also keine Sorgen, wenn du das nächste Mal etwas länger warten musst, bis eine Toilette dich erlöst!