Ist die Erde doch eine Scheibe?

Die 1849 gegründete “Flat Earth Society” behauptete bis weit in die 1970er, dass die Erde flach wäre. Seit 2009 gibt es die Gesellschaft im Netz wieder. Mitglieder liefern Beweise.

Beim Test für den “Weltraum-Sprung” von Felix Baumgartner am 15. März 2012 ist die Krümmung der Erde im oberen Bildrand zu sehen. Verfechter einer flachen Erde wittern bei solchen Fotos eine Verschwörung oder eine optische Täuschung.

Die Erde ist eine (an den Polen abgeflachte) Kugel. Das weiß jedes Schulkind. Die “Flat Earth Society” behauptet aber: Sie wäre flach wie eine Scheibe! Die Gesellschaft wurde von dem englischen Erfinder Samuel Birley Rowbotham im 19. Jahrhundert gegründet. Seine Überzeugung basierte in erster Linie auf der Interpretation eines Bibeltextes. Über die Jahre versuchten Mitglieder ernsthafte wissenschaftliche Beweise zu sammeln. Das Projekt wurde erst in den 1970er Jahren beendet.

Jetzt läuft das Projekt wieder, wenn auch mit einem Augenzwinkern: Seit 2009 hat die Gesellschaft ein Internetforum, in dem die Nutzer über die Gestalt des Planeten diskutieren und kuriose Beweise für die Scheibenform der Erde liefern. Alles Quatsch? Mag sein, aber es gibt mehr als 100.000 Beiträge. Auch auf Facebook und bei Twitter ist die Gesellschaft vertreten.

Selbstversuch: Trauen Sie Ihren eigenen Augen

Eine Beweisführung beginnt oft ganz einfach: Wenn die Erde eine Kugel ist, dann müsste der Horizont eine Krümmung aufweisen. Die eigene Beobachtung ist dabei die Beweisführung: Wenn man auf einen flachen Boden blickt, dann ist es ein augenscheinlicher Beweis dafür, dass der Boden flach ist.

Nutzer der Seite stellen Fragen wie: Haben Sie die Krümmung der Erde schon einmal mit Ihren eigenen Augen gesehen? Ein Beweis dafür, dass die Erde in Wahrheit doch flach wäre, sei die Tatsache, dass die Krümmung auf der Erdöberfläche in der Horizontalen nicht zu sehen ist. Was natürlich oberflächlich betrachtet stimmt.

Ein Einwand an dieser Stelle wäre, dass die Krümmung erst ab einer bestimmten Höhe zu sehen wäre.

Sehen Piloten die Erdkrümmung im Flugzeug?

Eine weitere Frage: Haben Sie schon mal auf die Krümmung der Erde beim Fliegen geachtet? Wenn Sie sich nicht erinnern, dann schauen Sie doch mal in die Flugkabine eines Piloten. Ein Forumsnutzer der “Flat Earth Society” schreibt, dass die Krümmung der Erde nicht bei einem üblichen Flug zu sehen sei.

Der Horizont sei im Flugzeug für die Piloten nicht als krumm erkennbar. Wie kann die Erde dann rund sein?

Das “Ei des Kolumbus”: Ist ein Schiff die Lösung des Rätsels?

Dabei ist der Gegenbeweis eben so alt wie schlüssig: Christopher Columbus glaubte, dass die Erde eine Kugel ist. Er suchte einen Seeweg nach Indien und entdeckte das spätere Amerika. In Indien kam er jedoch nie an. Kann ein Schiff das “Ei des Kolumbus” des Rätsels sein?

Ja, wenn ein Schiff in der Ferne des Horizonts zu sehen ist, dann ist sein Rumpf zunächst tief im Wasser. Fährt das Schiff dem Beobachter entgegen, so steigt der Rumpf für den Beobachter allmählich aus dem Wasser. Da der Meeresspiegel überall gleich hoch ist, muss die Erde gekrümmt sein. Sie ist damit eine Kugel. Die alten Griechen wussten dies bereits.

Die drei Beweise des Aristoteles

Die frühen Naturphilosophen kannten drei Beweise, die später Aristoteles in seine Schriften übernahm:

  1. Sichtbarkeit von Schiffen nach der Ausfahrt und bei der Einfahrt
  2. Unterschiedlicher Sternenhimmel je nach Breitenkreis
  3. Kreisförmiger Erdschatten bei Mondfinsternissen