Ist Bio gesünder? Wir erklären 7 Bio-Mythen

46 total views, 1 views today

Bio ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Nicht nur Bio-Läden schießen wie Pilze aus dem Boden, auch die Discounter erweitern ihre Sortimente um eigene Bio-Linien.

Wir haben uns gefragt: „Sind diejenigen, die Bio-Produkte kaufen, automatisch Umweltschützer und Besser-Esser? Leben sie womöglich gesünder, weil Bio-Erzeugnisse wirklich besser als konventionelle Lebensmittel sind?“ Das Ergebnis unserer Recherchen kannst Du hier nachlesen:

Stiftung Warentest hat Bio-Produkte getestet

Bereits 2010 kamen die Experten von Stiftung Warentest zu dem Schluss, dass Obst und Gemüse in Bio-Qualität nicht gesünder oder aromatischer als vergleichbare Sorten aus konventionellem Anbau sind.

Eine umfangreiche aktuellere Studie der Universität Stanford bestätigt dieses Ergebnis. Die Wissenschaftler konnten keinen relevanten Vorteil von Bio-Lebensmitteln gegenüber konventionellen Produkten feststellen. Dies betraf sowohl den Nährstoffgehalt, die Belastung mit Pestiziden als auch das Auftreten gesundheitsschädlicher Pilze und Bakterien.

Dessen ungeachtet gibt es eine stetig wachsende Fangemeinde der Bio-Bewegung, die ausschließlich Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau konsumiert. Dabei ist der Kerngedanke des ökologischen Landbaus vom möglichst geschlossenen und natürlichen Kreislauf zwischen Natur, Mensch und Tier absolut positiv zu bewerten.

Beliebte Bio-Mythen

Was ist jedoch an den zahlreichen anderen Mythen von der rein biologischen Landwirtschaft dran?

Mythos 1: Bio-Lebensmittel sind gesünder

Es existieren sowohl Studien, die einen Zusammenhang zwischen ökologischen Produkten und mehr Nährstoffen und Vitaminen aufzeigen. Es gibt jedoch mindestens genauso viele Studien, die dem widersprechen.

Bis heute gibt es keinen eindeutigen wissenschaftlichen Beweis, dass „Bio“ automatisch auch „gesünder“ bedeutet. Bei der Belastung mit Pestiziden schneiden Bio-Lebensmittel allerdings in der Regel messbar besser ab.

Mythos 2: Bio-Produkte sind transparent

Das ist so nicht ganz richtig. Es existieren derzeit zahlreiche verschiedene Siegel, wie das deutsche- und das europäische Bio-Siegel, das Bioland- und Naturlandsiegel, Demeter, Ecovin und viele mehr. Besonders verwirrend: Für die Erlangung der einzelnen Siegel gelten jeweils andere Richtlinien.

Vorsicht ist geboten bei eigens verliehenen Siegeln. Denn da die Grenzen, was Bio ist und was nicht, ziemlich weit ausgedehnt werden können, erfüllen einige Bio-Siegel nicht, was sie vorgeben zu sein.

So führen manche Siegel den Verbraucher bewusst hinters Licht. Dann genügt beispielsweise ein einzelner Bestandteil aus Bio-Produktion, um das Endprodukt als „Bio“ zu vermarkten. Häufig erfüllt dies aber nicht die Kriterien der Endverbraucher, die sich für ein Bio-Produkt entscheiden.

Mythos 3: Bio-Produkte sind frei von Zusatzstoffen

Auch diese Aussage stimmt so pauschal nicht. Laut EU-Verordnung gibt es etwa 50 Zusatzstoffe, wie Konservierungsstoffe und Aromen, die auch für BIO-Lebensmittel zugelassen sind.

Mythos 4: Bio ist stets regional und damit nachhaltig

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmittel wächst bedeutend schneller als die Zahl der Bio-Bauern oder die Größe der entsprechenden Anbaufläche. Deshalb müssen große Mengen an Bio-Produkten importiert werden.

In Deutschland stammt etwa jede dritte ÖKO-Kartoffel aus dem Ausland. Bei Äpfeln, Gurken und Möhren ist es sogar die Hälfte. Noch extremer sieht es bei Tomaten und Paprika aus. Hier stammen über 90 Prozent der in Deutschland verkauften Bio-Ware aus allen Ecken der Welt.

Mythos 5: Bio-Produkte haben weniger Kalorien

Das ist leider ein Irrglaube. Häufig machen wir den Denkfehler, dass Bio-Produkte gesünder seien und als Konsequenz daraus auch kalorienärmer.

Da wir ja eigentlich bereits den ersten Punkt, dass Bio-Lebensmittel gesünder seien, relativiert haben, erübrigt sich die Aussage, dass Bio-Produkte daher auch weniger Kalorien als konventionell produzierte Lebensmittel hätten, eigentlich von selbst.

Allerdings gibt es darüberhinaus auch keinen Zusammenhang zwischen dem Kaloriengehalt und dem gesundheitlichen Nutzen eines Lebensmittels.

Mythos 6: Bio-Eier sind unbelastet

Spätestens seit Ostern 2012 ist dieser Mythos dahin. Damals fand man in Bio-Eiern PCB und Dioxin. Beide Substanzen lagern sich nämlich im Boden und auf Futterpflanzen ab, sodass selbst artgerecht gehaltene Hennen nicht vor deren Aufnahme gefeit sind.

Mythos 7: Bio-Produkte sind teurer als konventionelle

Obwohl der Mehraufwand für artgerechte Tierhaltung oder nachhaltige Bewirtschaftung von Anbauflächen im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft zwischen 30 bis 100 Prozent beträgt, ist für den Verbraucher oftmals kein derart gravierender Preisunterschied spürbar. Vor allem, seit die Discounter eigene BIO-Produktlinien anbieten.

Fazit: Ist Bio gesünder?

Als Fazit lässt sich festhalten, dass Bio-Produkte nicht mehr Vitamine enthalten als konventionell produzierte Produkte. Allerdings ist bei Obst und Gemüse die Belastung durch Pestizide in der Regel geringer. Würde man nun davon ausgehen, dass eine geringere Pestizidbelastung besser für den Körper ist, könnte man sagen, dass Bio-Produkte gesünder sind als konventionell hergestellte Lebensmittel.

Doch die Entscheidung, zu Bio-Lebensmitteln zu greifen, hat meist nicht nur mit dem Wunsch zu tun, sich gesünder zu ernähren. In der Regel möchte man zudem eine artgerechte Tierhaltung, die nachhaltige Produktion oder eine faire Behandlung von Arbeitern unterstützen.