Hydrogel-Film könnte Millionen Menschen die Sehfähigkeit zurückgeben

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Stellen wir uns eine Patientin vor, Frau Müller: Sie ist 60 Jahre alt und leidet an einer Hornhautschädigung. Wenn diese nicht behandelt wird, wird Frau Müller früher oder später ihre Sehfähigkeit verlieren und erblinden.

Um dies zu verhindern, wartet sie auf eine Hornhauttransplantation, die jedoch mit erheblichen Risiken verbunden ist.

Ihre Sehfähigkeit verbessert sich trotz der Transplantation nicht, ein weiterer Eingriff ist notwendig und erneut muss Frau Müller auf einen Spender warten.

Wie Frau Müller sind Millionen von Menschen auf eine Hornhauttransplantation angewiesen, um ihre Sehfähigkeit nicht zu verlieren.

Spender sind nur sehr schwer zu finden und dazu kommt, dass die Hornhaut, der vordere Teil der äußeren Augenhaut, mit den Jahren degeneriert.

Blindheit ist sehr häufig auf eine Hornhautschädigung zurückzuführen. Die Hornhaut übrigens enthält die meisten Nervenenden des ganzen Körpers.

Schon seit Langem versuchen Wissenschaftler, eine alternative Lösung zu finden, um nicht auf Spender angewiesen zu sein und so auch die mögliche Abstoßung der fremden Hornhaut zu verhindern.

Jetzt konnten Forscher einen wichtigen Schritt in diese Richtung erreichen: Der Wissenschaftler Berkay Ozcelik (Universität von Melbourne, Australien) hat ein Hydrogel entwickelt, das Millionen von Menschen die Sehfähigkeit zurückgeben könnte.

Frau Müller könnte damit über einen synthetischen Hydrogel-Film verfügen, um ihr Sehvermögen zu erhalten, ohne auf einen Spender angewiesen zu sein.

Anschließend erfährst du mehr über diese neue Erfindung.

Hydrogel-Film als Alternative zur Behandlung verschiedener Hornhautschädigungen

Als Erstes nennen wir kurz die Funktionen der Hornhaut, um die Wichtigkeit dieser neuen Erfindung besser verstehen zu können.

  • Die Hornhaut, auch Cornea genannt, ist die äußerste Schicht des Auges.
  • Sie schützt vor Krankheitserregern, Staub und anderen externen Elementen.
  • Gleichzeitig ist sie notwendig, um scharf sehen zu können. Wenn die Hornhaut verhärtet und an Elastizität verliert, kann man die Umgebung nicht mehr richtig wahrnehmen.
  • Eine gesunde Hornhaut ist feucht und transparent. Durch den natürlichen Alterungsprozess oder durch Krankheiten kann das Gewebe jedoch verändert werden, was auch die Funktionen beeinträchtigt.

Hornhaut für ein gutes Sehvermögen

Wenn von Organspenden die Rede ist, denkt man als Erstes an vitale Organe wie Herz, Leber, Nieren…

  • Was jedoch nicht jeder weiß ist, dass auch Hornhaut-Spenden von größter Wichtigkeit sind, um Personen die verlorene Sehkraft wieder zu ermöglichen.
  • Deshalb ist die Erfindung des australischen Forschers wunderbar, sie könnte Millionen von Menschen helfen, um ihr Augenlicht nicht zu verlieren.
  • Es wäre damit nicht mehr notwendig auf eine Spende zu warten, um den Patienten eine neue Hornhaut einzusetzen und die Risiken einer möglichen Abstoßung auf sich zu nehmen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass häufig eine zweite Transplantation notwendig ist.

Der Hydrogel-Film ist für jeden kompatibel, denn er wird anhand der Stammzellen jedes Patienten entwickelt, so kann eine Abstoßung verhindert werden.

Doch wie funktioniert das? Lies weiter, wir erklären anschließend mehr Details.

Hornhaut aus Hydrogel – was ist das?

Der Hydrogel-Film, welcher die kranke Hornhaut ersetzt, wird folgendermaßen hergestellt:

  • Es werden Endothelzellen der Hornhaut im Labor über einer Hydrogelschicht kultiviert. Dazu werden ADN-Proben des Patienten entnommen, um eine Abstoßung zu vermeiden.
  • Die Zellen wachsen auf einer Hydrogel-Schicht, die dann in das Auge des Patienten durch einen kaum merkbaren Einschnitt eingesetzt werden.
  • Die neuen Zellen haben die Fähigkeit, die Wasser- und Sauerstoffversorgung der neuen Hornhaut zu aktivieren, um diese Feucht und transparent zu halten.
  • Die Hydrogelschicht ist dünner als ein menschliches Haar (50 micra) und verschwindet innerhalb von wenigen Monaten von selbst, während die Zellen ihre Funktion weiterhin ausüben, ohne dafür die Hydrogelschicht zu benötigen.

Das Ziel ist es, eine permanente Hornhaut zu schaffen, die keine Abstoßung hervorruft, da sie vom Immunsystem nicht als Fremdkörper erkannt wird.

Zukunftsperspektiven

Die Laborversuche haben sich bereits als sehr erfolgreich erwiesen. In vielen Medien wird von einer effizienten Methode gegen die Erblindung durch bestimmte Krankheiten gesprochen.

Der Wissenschaftler Berkay Ozcelik möchte jedoch vorsichtig mit seinen Aussagen sein:

  • In zwei Monaten wird das Team mit menschlichen Versuchen starten, die Wissenschaftsgemeinde erwartet gespannt die Ergebnisse.
  • Die Kultivierung von Hornhautzellen kann der Schlüssel für die Hoffnung von Millionen von Menschen sein, die bereits erblindet sind oder nur sehr schlecht sehen, da sie an einer Hornhautschädigung leiden.

Es wäre wunderbar, wenn Patienten nicht mehr von einer Spende abhängen müssten, um ihre Sehfähigkeit zu erhalten. Wir werden dieses neue Verfahren weiterhin beobachten und hoffen, dass es bald in der Praxis Anwendung finden wird.