Geprüfte Spezialisten: Hier wird der Krebs besiegt

35 total views, 1 views today

Fast eine halbe Million Menschen erkrankt in Deutschland jährlich neu an Krebs. Experten erwarten, dass diese Zahl in den kommenden Jahren kontinuierlich weiter steigt. Grund: die immer älter werdende Gesellschaft. Denn Krebs ist und bleibt vor allem eine Erkrankung des Alters. Doch angesichts dieser dramatischen Zahlen gibt es auch eine gute Nachricht: Die Sterblichkeit bei bestimmten Tumorarten nimmt kontinuierlich ab.

Krebs bedeutet heutzutage kein sicheres, baldiges Todesurteil mehr. Er entwickelt sich zunehmend zu einer chronischen Krankheit. Das belegen im Übrigen auch die Überlebensraten für bestimmte Tumorarten. Der Anteil der Patienten, die fünf Jahre nach der Diagnose noch leben, ist seit den 1980ern kontinuierlich gestiegen. So verbesserte sich die Überlebensrate bei Brustkrebs von 1984 bis 2008 von 60 auf 78 Prozent, bei Prostatakrebs von 43 auf 77 Prozent und bei Darmkarzinomen von 32 auf 52 Prozent.

Fortschritte durch bessere Vorsorge und Forschung

Für diese Fortschritte werden vor allem zwei Faktoren verantwortlich gemacht. Zum einen die Früherkennung: Tumoren werden durch die bessere Vorsorge schneller erkannt und können aufgrund ihrer geringeren Größe und Ausdehnung weitaus besser therapiert werden. Zum anderen kann die Schulmedizin in Sachen Therapie enorme Fortschritte vorweisen. Milliarden Euro flossen in den letzten Jahrzehnten in die Krebsforschung, zeitgleich wurde ein Netzwerk aus Forschungszentren und Kliniken aufgebaut, das seinesgleichen sucht.

Entstanden ist eine “dreistufige Behandlungspyramide”. Die Basis bilden die sogenannten Organkrebszentren, die ihr ganzes Know-how auf die Therapie und Nachsorge einer einzigen Tumorart fokussiert haben. Bundesweit gibt es mehrere Hundert davon. Die zweite Stufe bilden insgesamt 76 onkologische Zentren. Hier werden mehrere Tumorarten behandelt (Adressen finden Sie weiter unten zum Download). Sowohl die Organkrebszentren als auch die onkologischen Zentren wurden durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert. Dafür müssen die Kliniken Qualität vorweisen und unter anderem belegen, dass Ärzte eine bestimmte Anzahl von Operationen in diesem Bereich absolviert haben, Studien durchführen und die Therapie in speziellen Tumorkonferenzen mit Ärzten diverser Fachrichtungen besprechen.

Spitzenzentren: individuell zugeschnittene Behandlung

Ganz oben stehen wiederum sogenannte Spitzenzentren, die durch ein internationales Expertengremium begutachtet wurden und seither von der Deutschen Krebshilfe finanziell gefördert werden. Insgesamt gibt es zwölf dieser Zentren – wobei das Centrum für Integrierte Onkologie Köln Bonn über zwei Standorte verfügt. Mit der Etablierung dieser Zentren soll allen Krebskranken nach Aussage der Deutschen Krebshilfe “eine noch bessere, individuell zugeschnittene Behandlung nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft ermöglicht werden.”

Neben einer fächerübergreifenden Therapie treibt man hier jeweils parallel Forschung und Lehre voran. Die Zentren garantieren Patienten eine Behandlung auf höchstem medizinischem Niveau, nach neuesten Erkenntnissen und modernsten Standards. So kommen neben verbesserten Chemotherapien neue Verfahren zum Einsatz: etwa Immuntherapien mit Antikörpern. Oder Protonentherapie, bei der tief sitzende bosärtige Tumoren zielgerichteter bestrahlt werden – was für das umliegende Gewebe schonender ist als in der herkömmlichen Strahlentherapie.

Die Waffen werden schärfer

Mittlerweile stehen den Ärzten der Spezialzentren auch Medikamente zur Verfügung, die präziser wirken und weniger Nebeneffekte haben. Durch neu entwickelte Gewebe- und Gentests lassen sich Chemo therapien heute zielgerichteter nutzen als noch vor Jahren. Bei Brust-, Lungen- oder Darmkrebs ist diese Option häufig unverzichtbar, um möglichst viele Krebszellen im Körper zu vernichten. Chemotherapeutika können dabei heute aber auch besser dosiert eingesetzt werden. Eine Voruntersuchung des Tumors gibt Hinweise darauf, welche Substanzen oder welcher Wirkstoffcocktail den größten Erfolg verspricht.

Der wichtigste neue Ansatz in der Krebsimmuntherapie ist derzeit die Behandlung mit Antikörpern. Ihre Fähigkeit, sich wie ein Schlüssel im Schloss an das jeweilige Tumor-Antigen zu heften, ermöglicht die Entwicklung gezielt wirkender molekularer Medikamente. Dafür werden gentechnisch hergestellte Antikörper so präpariert, dass sie giftige Substanzen zur Krebszelle transportieren, sie vernichten oder zumindest ihren Stoffwechsel empfindlich stören.

Vorsorge ist unverzichtbar

Wunder darf man allerdings auch von der Antikörpertherapie noch nicht erwarten, denn die molekularen Veränderungen bei den meisten Krebsarten sind zu komplex und zu individuell. Hier müssen Wissenschaft und Forschung in Zusammenarbeit mit den onkologischen Zentren noch viel Grundlagenarbeit leisten. Viel wichtiger ist dabei ein gänzlich anderer Aspekt: die Vorsorge. Nach wie vor gilt, dass sie Leben retten kann.

Trotz aller Diskussionen in den vergangenen Monaten, die die Sinnhaftigkeit des Screenings etwa bei Brustkrebs in Frage stellen. Die Frage, ob Mammografie, Ultraschall oder gar beides als Vorsorgeuntersuchung besser sei, ist wohl die entscheidende. Deshalb sind bei der Vorsorge auch die deutschen Krebszentren mit verbesserten Methoden in der Pflicht. Wird Brust-, Darm-, Prostata- oder Hautkrebs früh entdeckt, steigen die Überlebenschancen rapide an. Bei Darmkrebs wird das besonders deutlich. Frühzeitig erkannt, verbessern sich die Heilungschancen enorm: 95 Prozent der Darmtumoren sind dann noch heilbar, manche Experten gehen sogar von 100 Prozent aus. Diese Zahlen sollten für jeden Einzelnen von uns Anlass sein, regelmäßig zur Darmspiegelung zu gehen. Das kann ihm und seinen Angehörigen viel Leid ersparen.