Ekelfaktor Schimmelpilze: So riskant ist Schimmel auf dem Essen und in der Wohnung

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Weißer Pelz auf der Marmelade, grüngraue Polster im Brot oder schwarze Flecken an der Wand – Schimmelpilze macht sich überall breit. Nur manche gefährden die Gesundheit, aber die meisten gehören in den Müll – bis auf ein paar Ausnahmen.

  • Schimmel auf Lebensmitteln ist fast immer ein Zeichen von Verderbnis.
  • Wer oft angeschimmelte Lebensmittel konsumiert, kann sich durch Mykotoxine vergiften.
  • Gesundheitliche Gefahr droht durch das Einatmen von Schimmelpilzsporen.

In Deutschland schwirren die Sporen von mehr als 200 Schimmelpilzen durch die Luft und setzen sich überall fest: auf Lebensmitteln, im Blumentopf, an Zimmerwänden. Außer etwas Feuchtigkeit braucht Schimmel nichts, um sich schnell auszubreiten – am liebsten bei sommerlichen Temperaturen, aber auch im Kühlschrank.

Daher entdecken wir immer wieder grüngraue Polster im Toastbrot, weißen Pelzbelag auf Früchten, schwarze Flecken unter dem Joghurtdeckel. Und fragen uns: die ekligen Stellen entfernen oder alles wegwerfen?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung und die Verbraucherzentralen raten vorsorglich zum Entsorgen. Denn einige Schimmelpilze bilden giftige Stoffwechselprodukte. Diese Mykotoxine schieben sich weit ins Lebensmittel hinein. Sehen kann man die Gefahr nicht. Ebenso wenig verrät die Größe des oberflächlichen  Schimmelbelags etwas über die Toxin-Menge. Also, vorsichtshalber ab in den Müll mit schimmeligem Essen.

Das können Schimmelpilzgifte verursachen:

  • Mykotoxine können in größeren Mengen akute und auf längere Sicht chronische Vergiftungen hervorrufen.
  • Sie können Leber und Niere angreifen und sogar Krebs fördern.
  • Im Labor haben sich die Schimmelpilzgifte als schädlich für Embryos erwiesen. Daher sollten Schwangere nichts Angeschimmeltes essen.
  • Schimmelpilze können Allergien auslösen, die einem Heuschnupfen ähneln.
  • Sie können bestehende Allergien und Asthma verschlimmern.
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem können durch das Einatmen von Schimmelsporen schwere Infektionen der Atemwege erleiden.

Je nach Schimmelpilz und Nährboden entwickeln sich unterschiedliche giftige Stoffwechselprodukte, zum Beispiel:

  • Ein besonders starkes Pilzgift ist das zellschädigende Aflatoxin , das vor allem in Nüssen, Getreide und Gewürzen vorkommt.
  • Ochratoxine entstehen in Kaffee, Getreide, Bier, Trockenobst und Gemüse.
  • In Obst, Obstprodukten und Fruchtsaft kommt das Pilzgift Patulin vor.

Obst und Gemüse

In Lebensmitteln mit hohem Wasseranteil wächst Schimmel schnell. Eine verdorbene Erdbeere kann die ganze Packung anstecken, weil sich die Sporenfäden sehr schnell ausbreiten – ohne dass man sofort Schimmel sieht. Das sollten Sie tun:

  • Wenn in festen Obst- und Gemüsesorten nur kleine braune Stellen auf Schimmel deuten, reicht es, diese großzügig auszuschneiden.
  • Wässrige Früchte wie Pfirsiche, Pflaumen oder Tomaten sollten komplett entsorgt werden, wenn sie befallen sind.
  • Verschimmeltes Obst sollten Sie auch nicht zu Kompott oder Marmelade verkochen, die meisten Schimmelpilzarten sind sehr hitzebeständig.
  • Schimmel im Obstsaft zeigt sich durch Schlieren – den gesamten Flascheninhalt wegkippen

Nüsse, Getreide und Gewürze

  • Kein langes Fackeln gibt es bei verschimmelten Nüssen, allen voran Pistazien. Der Schimmelpilz setzt das starke Gift Aflatoxin frei. Verfärbte oder bitter-ranzige Früchte gehören aussortiert und ab in den Müll.
  • Dasselbe gilt für Trockenfrüchte und gemahlene Gewürze wie Pfeffer und Paprikapulver. Wenn Gewürzpulver trotz trockener Lagerung klumpt, kann Schimmel schuld sein: wegwerfen.
  • Auch verschimmeltes Müsli gilt als gesundheitsgefährdend: daher die ganze Packung in den Müll werfen.

Brot

Auf Brot macht sich besonders oft grünlicher Schimmel breit, Weißbrot befällt er schneller als dunklere Sorten oder Sauerteigbrot. Toastbrot und abgepackte Scheiben sind Schimmel-Kandidaten. Wer aus Versehen eine Schimmelscheibe ist, muss sich aber keine Sorgen machen. Dennoch gilt:

  • großzügig abschneiden, wenn ein ganzes Brot betroffen ist
  •  wegwerfen, wenn es Schnittbrot ist

Manche Experten raten aber auch, schon bei kleinen Schimmelstellen das ganze Brot wegzuwerfen,  weil sich der Schimmel mit Sicherheit schon unsichtbar ausgebreitet und möglicherweise Pilzgifte gebildet hat.

Konfitüre

Bei Marmelade kommt es auf den Zuckergehalt an, ob Sie etwas davon retten und essen können. Denn Zucker wirkt als Konservierungsmittel:

  • Bei Schimmel auf fester Marmelade mit mindestens 50 Prozent Zucker genügt es, die befallene Stelle großzügig abzuheben.
  • Halbflüssiger Fruchtaufstrich und zuckerreduzierte „Diät“-Konfitüre gehören komplett entsorgt. Dort können leichter Mykotoxine entstehen.

Käse

Käse weist eine Besonderheit auf: Hier ist Schimmel manchmal erwünscht. Ob Camembert, Brie, Gorgonzola oder Roquefort – zu diesen Käsesorten gehören sogenannte Edelschimmel, die keine Pilzgifte entwickeln und ohne Bedenken gegessen werden dürfen.

Schwangeren wird oft geraten, keinen Schimmelkäse zu essen. Das liegt aber nicht am harmlosen Kulturschimmel, sondern daran, dass viele Gourmet-Käse aus Rohmilch sind. Damit besteht das Risiko einer Listerien-Infektion mit gravierenden Folgen für das Ungeborene.

Schimmel auf anderem Käse muss dagegen ebenso entfernt werden wie von jedem Lebensmittel, weil sie ungesunde Pilzgifte produzieren. Dabei gilt:

  • Frisch-, Weich- und Schmelzkäse mit Schimmelstellen gehört komplett entsorgt.
  • Die ganze Packung in dem Müll muss auch bei angeschimmeltem Schnitt- oder Reibekäse.
  • Von Hartkäse-Stücken darf man verschimmelte Ecken großzügig abschneiden, denn die feste Konsistenz können die Schimmelpilzfäden nicht ganz so leicht durchdringen.

Wurst

Auch von luftgetrockneter Salami oder Schinken ist bekannt, dass die Schimmelpilze, die während der Reifung darauf wachsen, keine Gifte bilden. Aber: Befindet sich Schimmel mitten auf einer Scheibe Salami oder Rohschinken, gehört er zur schädlichen Sorte und muss in den Mülleimer.

Schimmel auf Brüh- und Frischwurst ist immer von der ungesunden Art. Denn: Bis auf wenige Ausnahmen ist Schimmel auf Lebensmitteln immer ein Zeichen von Verderbnis.

Joghurt & Co.

Je flüssiger ein Lebensmittel ist, umso leichter kann der sichtbare Pilz es mit seinem Sporen und den dort entstehenden Pilzgiften durchdringen. Und so gilt: Joghurt, Quark, Kefir oder Skyr, die kleine Schimmelspuren zeigen, im Ganzen wegwerfen.

Wohnungsschimmel

Schimmel macht sich auch im Wohnumfeld breit. Dann ist er sogar besonders gefährlich für die Gesundheit, weil wir ihn nicht einfach in die Tonne werfen können, wie auf einem Stück Obst, Käse oder Brot.

Schimmelpilze besiedeln Textilien wie Teppiche und Polstermöbel, tapezierte und gestrichene Wände, Holz und anderes poröses Baumaterial. Es muss nur ausreichend feucht sein. Aus kleinen Verfärbungen entwickeln sich dann große schwarzgrau gefleckte Flächen – gern in schlecht gelüfteten Räumen, hinter großen Möbelstücken, in kühlen Zimmerecken.

Dann atmen die Bewohner die winzigen Pilzsporen ein, die Lunge und Schleimhaut reizen und infizieren können. Kinder und immungeschwächte Menschen sind besonders gefährdet. Sie bekommen Dauerschnupfen oder Allergien, die Augen brennen und der Hals kratzt. Die Symptome sind unspezifisch. Es lohnt sich aber nach Schimmel zu fahnden.

  • Sind große Flächen verschimmelt, sollten Profis ran. Dann müssen eventuell Tapeten runter, Möbel entsorgt und Wände getrocknet werden.
  • An kleineren Stellen darf man den Schimmel selbst zu Leibe rücken – mit Handschuhen, Schrubber und Essigreiniger, am besten auch mit einem Mundschutz, eventuell auch mit einem Anti-Schimmel-Mittel. Das Putzzeug wandert am Schluss in die Mülltonne.

Blumenerde

In jeder Erde befinden sich Schimmelpilze. Wenn sich aber auf der Blumenerde von Zimmerpflanzen eine weiße, modrig riechende Schicht bildet, hilft nur gründliches Umtopfen in frische Erde und den geschrubbten Topf. Sonst fliegen die Erd-Schimmelpilzsporen durch die Luft, die bei geschwächten Menschen Infektionen auslösen können. Aus diesem Grund dürfen Besucher keine Topfpflanzen mit in Krankenhäuser nehmen.