Ein Schnaps nach dem Essen regt die Verdauung an

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Laut dem Volksmund, soll ein Schnaps nach dem Essen bei der Verdauung helfen. Aber hilft uns das wirklich oder wirkt sich der Schnaps vielleicht sogar eher negativ aus? Ein Erklärungsversuch.

Gerade eben haben wir noch reichhaltig und fleischlastig beim Griechen geschlemmt und plötzlich fühlen wir uns, als ob unser Bauch gleich platzt und wir uns nicht mehr rühren können. Da kommt der Ouzo nach dem Essen gerade recht, schließlich wirkt er auch auf Grund seines Anisgeschmacks schon ein wenig wie Medizin.

Tatsächlich aber handelt es sich bei der gefühlt positiven Wirkung eher um einen reinen Placebo-Effekt. Stattdessen kann der Schnaps die Verdauung sogar ausbremsen.

Schnaps und die Verdauung

Wie den meisten bekannt sein sollte, kann hochprozentiger Alkohol Fette lösen. Aber da die Nahrung in unserem Magen mittels Säure und Enzymen so aufgespalten wird, dass sie später im Darm über das Blut aufgenommen werden kann, stellt sich die Frage, welche Funktion der Schnaps denn nun haben soll und was genau er eigentlich bewirkt.

Rein dem subjektiven Empfinden nach hat der Schnaps nach dem Essen tatsächlich eine positive Wirkung. Durch die extreme Füllung unseres Magens, kann es schon einmal dazu kommen, dass dieser verkrampft und uns das Völlegefühl vermittelt. Der Alkohol hat eine betäubende Wirkung auf unsere Nerven und sorgt dafür, dass sich die Magenmuskulatur entspannt.

Das klingt im ersten Moment gut, ist aber eigentlich eher negativ. Schließlich sollen die Nerven dem Magen signalisieren, dass der Speisebrei weiter in den Darm muss, da diese aber betäubt sind, verzögert sich die Verdauung.

Zusätzlich ist Alkohol im aufgespaltenen Zustand nichts anderes als hochdosierte Kohlehydrate, sodass dem Magen im Endeffekt noch mehr Nahrung zugeführt und er noch mehr beschäftigt wird.

Bitterstoffe im Kräuterschnaps

Gänzlich falsch ist der Schnaps nach dem Essen (Digestif) aber nicht. Ein Kräuterschnaps hat tatsächlich verdauungsfördernde Wirkung, diese beruht aber eben nicht auf dem enthaltenen Alkohol, sondern auf den Kräutern, wie Anis, Wermutwurzel, Enzianwurzel, Kümmel, Wachholder oder Lorbeer, und deren Bitterstoffe.

Diese Bitterstoffe regen die Motorik des Magens an und helfen tatsächlich bei der Verdauung. Allerdings würde es in diesem Fall auch reichen, lediglich einen Kräutersud oder einen entsprechenden Kräutertee zu trinken. Die beste Verdauungshilfe ist allerdings immer noch ein Spaziergang an der frischen Luft.

Übrigens kann ein Glas Rotwein zwar dem Gericht besondere Geschmäcker entlocken, aber bei der Verdauung hilft es genauso wenig wie der Schnaps.