Das passiert beim Sterben

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Der letzte Lebensabschnitt ist noch immer ein Tabu-Thema in unserer Gesellschaft. Doch mittlerweile entscheiden sich immer mehr Patienten den letzten Weg in einem Hospiz zu beschreiten und sich beim Sterben professionell begleiten zu lassen. Denn dort werden die natürlichen Vorgänge am Ende des Lebens richtig gedeutet. Wir erklären, was während des Sterbeprozesses mit Körper und Geist passiert und wie sich Angehörige am besten in den letzten Stunden verhalten. 

Das Sterben gehört zum Leben. Ebenso wie die Geburt ist es ein ganz natürlicher Vorgang, der nur eben nicht den Aufbau und Neuanfang mit sich bringt, sondern einen fortschreitenden Abbau und den letzten Atemzug. Natürlich bedeutet für spirituelle und religiöse Menschen der Tod nicht das Ende, aber es ist definitiv ein Ende für unseren Körper. Denn sein Tod beginnt bereits in den letzten Lebenstagen.

Die psychischen Phasen vor dem Sterben

Doch noch bevor es zu den Symptomen des nahen Todes kommt, durchlaufen vor allem Menschen, die an einer lebensverkürzenden Krankheit leiden verschiedene psychische Phasen. Diese Phasen können unterschiedlich stark auftreten, in ihrer Reihenfolge variieren und sich verschieden äußern. Nach einer schockierenden Diagnose leugnen viele Patienten die Krankheit und das nahende Ende. Sie wollen es nicht wahrhaben und hoffen noch auf eine Rettung. Die nächste Phase ist der Zorn. Der Erkrankte wird wütend – auf die Krankheit, sein Umfeld, seine Verwandten. Diese Phase kann sich auch durch Aggressionen äußern.

Darauf folgt die Phase des Verhandelns. Der Patient versucht mit dem Tod zu verhandeln und verspricht Dinge, die er tun oder lassen wird, wenn er weiter leben darf. Oft folgt darauf eine tiefe Depression. Der Kranke verliert seine Hoffnung und verabschiedet sich von seinen Lebensträumen, seiner Familie und allem, was ihm wichtig ist. Es ist eine Phase der Trauer um nicht erlebte Dinge, nicht genutzte Chancen und begangene Fehler. Im besten Fall endet der psychische Prozess in der Akzeptanz des eigenen Schicksals. Dann können sie Abschied nehmen und das Leben abschließen.

Für den eigenen Tod vorsorgen

Leider versterben immer mehr Menschen in Deutschland an den Folgen einer schweren Erkrankung. Durch die Diagnose haben sie allerdings den Vorteil, sich auf das Ende vorbereiten zu können und Vorkehrungen zu treffen. Unter anderem sollten sie sich Gedanken über eine Patientenverfügung machen. Hier wird offiziell festgelegt, welche lebenserhaltenden Maßnahmen getroffen werden sollen – oder nicht. Auch diverse Vollmächte können ausgestellt werden und das Testament kann geschrieben werden.

Dieser Schritt fällt vor allem den Angehörigen des Patienten schwer, kann allerdings auch zur Verarbeitung der Diagnose beitragen. Auf keinen Fall sollten solche Themen aus Pietätsgründen unter den Tisch fallen gelassen werden.

Der Tod: Körperzellen sterben, Atmung verlangsamt sich

Die meisten Menschen sterben an Herz-Kreislaufversagen oder Krebs. Doch auch am natürlichen Ende des Lebens stellen die Organe nach und nach ihre Tätigkeit ein und die Zellen sterben ab. Es ist ein natürlicher Sterbeprozess der spezielle Symptome verursacht. Für Angehörige ist es wichtig, die Zeichen zu kennen und zu akzeptieren. Sie gehören zum Sterben dazu.

Bei einem Sterbenden verändert sich die Atmung nach und nach. Sie wird flacher und teilweise unregelmäßig. Da das Schlucken nicht mehr richtig funktioniert, sammelt sich Speichel und Schleim in den Atemwegen und verursacht ein rasselndes Atemgeräusch. Das klingt für die Angehörigen oft besorgniserregend, verursacht dem Patienten aber meist keine Schmerzen. Den Schleim absaugen zu lassen würde nichts bringen – er bildet sich nach wenigen Minuten oder Stunden neu. Um dem Betroffenen das Atmen dennoch zu erleichtern, kann man regelmäßig durchlüften und den Patienten in eine leicht aufgerichtete Lage bringen.

Gesichtszüge von Sterbenden verändern sich

Das Gesicht von sterbenden Menschen verändert sich in seinen letzten Stunden. Das liegt daran, dass die Muskulatur immer schwächer wird und so Augen und Wangen „einfallen“. Auch die Nase erscheint dadurch oftmals spitz. Durch die geringere Durchblutung wird die Haut um die Nase und die Lippen fahl und weiß. Mediziner bezeichnen dieses Erscheinungsbild auch als „Todesdreieck“.

In den letzten Stunden des Lebens werden manche Patienten unruhig. Sie wackeln mit den Füßen oder zupfen an der Bettdecke. Andere wiederum werden ganz ruhig und kehren sich nach „innen“. Beide Vorgänge sind ganz normal und gehören zum Prozess dazu. Gegen die Unruhe können beruhigende Medikamente gegeben werden.

Durchblutung wird heruntergefahren – Gehirnfunktion lässt nach

Durch die geringe Durchblutung lassen die Funktion des Gehirns und die des Zentralnervensystems nach. Überlebenswichtige Grundbedürfnisse wie Hunger und Durst nehmen ab. Auch das ist normal und erleichtert den Sterbeprozess. Denn ohne die Zucker- und Wasserzufuhr fährt das Gehirn herunter und ein Dämmerzustand wird erreicht. Genauso fahren Leber und Nieren ihre Aktivität herunter und Stoffwechselprodukte gelangen in den Kreislauf. Auch diese Stoffe sorgen für einen Dämmerzustand. Die Austrocknung des Körpers sorgt für die Ausschüttung natürlicher Opiate, die dem Sterbenden die Schmerzen nehmen. Angehörige können trotzdem Lippen und Mund mit etwas Wasser betupfen, um dem Patienten Linderung zu verschaffen.

Wenn das Nervensystem den Dienst einstellt, kann es dazu kommen, dass der Betroffene seine Blase und seinen Darm entleert. Auch Erbrechen ist möglich und bei Männern kann es zu einer Ejakulation kommen. Das Reinigen des Körpers kann von Pflegern übernommen werden, die Angehörigen können dies aber auch selbst übernehmen. Denn auch wenn der Sterbende bereits in einem bewusstlosen Dämmerzustand ist, kann es durchaus sein, dass er Berührungen, Gesprochenes und seine Umgebung dennoch wahrnimmt.

Vor dem Tod: Die Haut verfärbt sich

Mit dem fortschreitenden Sterbeprozess verändert sich die Haut des Patienten. Da die Durchblutung nicht mehr richtig funktioniert, konzentriert sich die Blutzirkulation nur noch auf die lebensnotwenigen Organe. Die Venen an Armen und Beinen treten deutlich hervor, da das Blut nicht mehr zurückgepumpt wird. Außerdem werden Hände und Füße nach und nach bläulich und kälter. Die ersten dunklen Flecken können sich bilden.

Das Sterben: Der Herzschlag verlangsamt sich und endet

Im weiteren Verlauf des Sterbens wird der Herzschlag immer langsamer und unregelmäßiger. Der Blutdruck sinkt dadurch deutlich ab. Die Körperzellen werden dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und sterben ab, wenn das Herz stehen bleibt. Bereits nach wenigen Minuten ohne Sauerstoff verenden die ersten Hirnzellen. Auch die Zellen des Herzens sterben nach etwa 15 bis 30 Minuten ab.

Die Leber des Patienten kann noch etwas länger arbeiten. Nach 30 bis 35 Minuten hört diese Funktion auch auf. Die Muskelzellen des Verstorbenen sterben nach zwei bis acht Stunden und die Totenstarre tritt ein.

Sterben und loslassen

Das Sterben bedeutet für viele Patienten ein Loslassen des Lebens und der geliebten Menschen. Das fällt natürlich schwer. Deshalb kommt es immer wieder vor, dass der Erkrankte genau dann verstirbt, wenn gerade keiner der Angehörigen mit im Zimmer ist. In dieser Situation muss sich niemand einen Vorwurf machen. Es kann gut sein, dass es für den Betroffenen so leichter fällt zu gehen.

Der Tod ist für die Angehörigen ein sehr trauriges Ereignis. Er kann aber auch Erleichterung bedeuten. Der Kampf ist vorbei und das Leiden hat ein Ende. Auch diese Gefühle sind ganz normal und sollten nicht zu Gewissenbissen führen. Pfarrer, Bestatter oder die Mitarbeiter des Hospizes stehen in diesen Situationen beratend zur Seite und sind die richtigen Ansprechpartner.