Das „Elixier der ewigen Jugend und des langen Lebens“ aus Tibet

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Immer wieder liest man vom geheimnisvollen Elixier, dessen Rezept aus Tibet stammen soll und dessen Konsum einem zu ewiger Jugend und langem Leben verhelfen soll. Was ist drin und was ist dran an dem Gerücht? Wir erklären es dir hier!

Elixier aus drei Zutaten

Das Rezept des Elixiers soll angeblich vor über 2000 Jahren auf einer Tontafel eingeritzt und somit für die Nachwelt festgehalten worden sein. Die Zutatenliste liest sich ganz einfach: Honig, Olivenöl, Zitrone. Um es selbst zuzubereiten, verraten wir dir das Rezept. Du brauchst:

100 ml Zitronensaft

200 ml Honig und

50 ml Olivenöl

Alle drei Zutaten miteinander vermischen und das Elixier im Kühlschrank aufbewahren. Es heißt, täglich ein Teelöffel auf nüchternen Magen sei die richtige Dosierung. Wir erklären dir nun, was die einzelnen Zutaten alles können:

Zitrone

Zitrone

Zitronensaft enthält viel Vitamin C und andere wichtige Vitamine und Mineralstoffe, sowie sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien.Oxidativer Stress gilt als Mitverursacher einer Vielzahl krankhafter Prozesse und wird auch mit Alterungserscheinungen in Verbindung gebracht. Antioxidantien sind unsere wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen hochreaktive Sauerstoffverbindungen, sogenannte freie Radikale, die durch Einflüsse wie UV-Strahlung, Abgase, Medikamente und Umweltgifte im Körper entstehen. Was daraus folgt, nennt man oxidativen Stress. Zu viel davon kann Zellschäden verursachen, beschleunigt unseren Alterungsprozess und wird außerdem für eine ganze Reihe von Krankheiten verantwortlich gemacht. Antioxidantien sind natürliche Inhaltsstoffe, die unsere Körperzellen vor diesen schädlichen Einflüssen schützen können. Zu den Antioxidantien zählen Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.

Honig

Honig

Honig wirkt antibakteriell und entzündungshemmend. Dadurch können leichte Schwellungen abschwellen und kleine Wunden besser abheilen. Es ist bereits ein Medizinprodukt auf Basis von Bienenhonig auf dem Markt, das in Krankenhäusern bei der Wundversorgung eingesetzt wird.

Olivenöl

Olivenöl

Kalt gepresstes, hochwertiges Olivenöl enthält entzündungshemmende Stoffe, die ähnlich wie in der Apotheke erhältliche Medikamente gegen Entzündungen wirken. Vertreter der „Mittelmeerdiät“ erklären, Olivenöl habe ein optimales Fettsäurenverhältnis und sei daher besonders herzgesund und gut für die Gefäße.

Kritik am Elixier: Verfügbarkeit der Zutaten

Es gilt mittlerweile als gesichert, dass die Rezeptur des „tibetanischen Elixiers“ ein modernes Märchen ist. Tibet liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 4500 m, weswegen dort keine Oliven und Zitronen wachsen. Beide Pflanzen vertragen keine zu rauen Klimate und zu kalte Winter. Vor 2000 Jahren fand noch kein extensiver Handel mit dem Mittelmeerraum statt, sodass auch keine der beiden Zutaten Tibet erreicht haben könnte.

Kritik am Elixier: Wirksamkeit der Zutaten

Das Elixier steht nach Anweisung mehrere Wochen im Kühlschrank, bis es verbraucht ist. Vitamine aus der Zitrone zerfallen während der Lagerung, der positive Effekt der Zitrone verringert sich somit mit jedem Tag der Lagerung. Sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien stecken grundsätzlich in allem frischen Obst und Gemüse. Eine ausgewogene Ernährung mit viel buntem Gemüse trägt wesentlich mehr zu einer Versorgung mit diesen Wirkstoffen bei als ein Teelöffel dieses Elixiers.

Zitrone

Honig wirkt wirklich antibakteriell und entzündungshemmend. Allerdings ist diese Wirkung nur bei äußerlicher Anwendung nachgewiesen, nicht beim Schlucken eines Elixiers mit Honig. Honig besteht zum Großteil aus Glukose und Fruktose. Darum schmeckt er so schön süß, lässt aber den Blutzuckerspiegel steigen und kann, regelmäßig auf nüchternem Magen angewendet, zur gefürchteten „Insulinmast“ führen, die Übergewicht verursacht.

Öl (2)

Auch das Olivenöl ist nicht so gesund, wie es uns die Werbung glauben macht: entscheidend ist nämlich nicht nur die Aufnahme essentieller Fettsäuren durch unsere Nahrung, sondern auch, dass das Verhältnis dieser Fettsäuren untereinander optimal ist. Je höher der Anteil an Omega3-Fettsäuren und je geringer der Anteil an Omega6-Fettsäuren, desto optimaler ist das Öl. Mehr als 1:5 sollte das Verhältnis von Omega3 zu Omega6 nicht sein, um das Herz-Kreislauf-Risiko gering zu halten. Das durch gutes Marketing hoch gepriesene „gesunde Olivenöl“ kommt dabei mit 1:11 überraschend schlecht weg: es hat ein ungünstiges Verhältnis dieser beiden Fettsäuren. Es liegt also ganz bestimmt nicht am Olivenöl, dass die „Mittelmeer–Diät“ so gesund ist! Den höchsten Gehalt an Omega3 hat das heimische Leinöl (1:4)! Wer den intensiven Geschmack nicht mag, kann auch Rapsöl (1:2), Walnussöl (1:6) oder Sojaöl (1:7) verwenden, die in ihren Fettsäureverhältnissen wesentlich gesünder sind als das weit verbreitete Sonnenblumenöl (1:122 !!!), Maiskeimöl (1:54) oder Erdnussöl (1:32) – Öle, die gerne in der Gastronomie verwendet werden, da sie billig und hoch erhitzbar sind.

Das tibetanische Wunderelixier ist somit zwar nicht gefährlich, aber auch nicht wirksam. Aber Glaube versetzt bekanntlich Berge – auch tibetanische in die Mittelmeerregion, um darauf Olivenhaine wachsen zu lassen…