Cayennepfeffer, heilend und beruhigend für Muskeln und Nerven

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Scharf! Schärfer! Noch schärfer! Einmal tief Luft holen. Schnell danach kalte Milch trinken. Das kann nur Cayennepfeffer sein. Vielleicht auch Tabasco? Oder auch Chili? Irgendwie auch egal, es ist alles dasselbe. Die Azteken würzten einst ihre Gerichte mit den Früchten, die kapselähnlich sind.

Lateinischer Name der Nachtschattengewächse ist Capsicum frutescens. Die Seefahrer waren es, die den „spanischen Pfeffer“ aus Amerika übers Meer brachten. Heute wächst dieser bis zu 2 Meter hohe Strauch auf der ganzen Welt, in unzähligen Variationen. Es wachsen an ihm kleine und große, gelbe, rote, orangefarbene oder auch grüne Früchte. Sie sind wegen ihrer Schärfe sehr geschätzt, aber auch gefürchtet. Gute Laune soll für den Cayennepfeffer verantwortlich sein. Zudem fördert es eine ausgeglichene Darmflora und hilft außerdem noch beim Abnehmen. Man kann Cayennepfeffer auch bei Verspannungen nach dem Sport, bei Gelenkschmerzen oder schmerzenden Muskeln oder sogar bei Hexenschuss einsetzen. Pflaster und Cremes sollen die Durchblutung der Haut fördern. Viele Menschen schwören bereits auf diese Präparate. In klinischen Studien lässt sich aber diese Wirkung nur schwer nachweisen. Schmerz- und Wärmepflaster sind immer noch die Klassiker. Das Gewebe wird gelockert und schmerzende Stellen können somit verschwinden. Aber man darf das Ganze auch nicht unterschätzen, denn Cayennepfeffer ist nicht wirklich harmlos – er brennt wie Feuer. Besser, man verteilt die Cremes mit einem kleinen Spatel und probiert es vorher an einer kleinen Stelle wie z.B. am Ellenbogen aus. Bitte niemals auf Verletzungen auftragen. Solange die Wirkung anhält, sollte man auch nicht duschen oder baden. Der Cayennepfeffer hat die Eigenschaft, die Haut zu reizen. Diese nutzen wir über die in der Haut sitzenden Nozizeptoren, sozusagen die Schadensmelder. Die Capsaicin-Rezeptoren, ebenso ein Hauptinhaltsstoff des Cayennepfeffers, gehören auch zu diesem System. Diese schlagen im Normalfall erst bei über 43° Alarm. Die Haut rötet sich und fängt an zu brennen. Wenn allerdings das Capsaicin auf die Haut kommt, aktivieren sich die Rezeptoren wesentlich früher. Durch die Zellwand dringt diese Substanz nun in die Nervenendigungen. Die lagern sich an den Rezeptoren an und verändern sie. Sie melden sich daher schon bei normaler Zimmertemperatur. Solange das Capsaicin nicht abgewaschen ist, müssen Sie damit rechnen, dass es brennt. Man kann den Schmerz aber durch Eis stillen. Sollte das Brennen noch immer nicht besser werden, kann man versuchen, den Cayennepfeffer mit Öl oder Alkohol von der Haut zu lösen. Die Hautreaktion ist zwar unangenehm, aber die Wirkung lässt sich medizinisch gut nutzen. Wenn die Nozizeptoren mit Cayennepfeffer gereizt werden, werden sogenannte Neuropeptide in der Umgebung freigesetzt. Das Gewebe kann besser durchblutet werden und die Blutgefäßwände werden somit durchlässiger. Die Haut rötet sich. Nach dem heutigen Stand der Forschung beeinflusst diese Reaktion unser Immunsystem vorteilhaft. Noch ist die Forschung ziemlich am Anfang. Man hofft aber, in der Zukunft Krankheiten wie chronische Darmentzündungen oder auch Neurodermitis damit behandeln zu können. Menschen mit einer übererregbaren Harnblase kann heute schon geholfen werden. Wenn Sie bereits häufiger scharf essen, wissen Sie, dass Sie sich daran  gewöhnen können und immer mehr Schärfe gut vertragen. Die Mediziner rufen diese Desensibilisierung durch die Infusion eines Capsaicin-ähnlich wirkenden Stoff in die Blase hervor. Diese funktioniert danach 3 Monate völlig normal. Der Einsatz bei Neuropathien ist der Einsatz umstritten. Diese können nach einer Gürtelrose oder bei einem diabetischen Fuß auftreten. Capsaicin macht auch hier die Nervenenden unempfindlich. Die Schmerzen lassen nach. Freigelegte Nerven, so ergaben Studien,  die vorher mit Capsaicin beträufelt wurden, waren danach zum Teil zerstört. Man könnte damit Menschen von Karzinomschmerzen befreien oder auch eine Arthrose erträglich machen. Capsaicin lindert auch Beschwerden bei einem Reizmagen. Auch hier zeigte eine Studie wieder, dass für 4 Wochen Blähungen und Völlegefühle nach einer Zehn-Tage-Kur verschwanden. Vielleicht helfen betroffenen Menschen folglich scharfe Speisen. Also immer ein Glas Milch bereitstellen, wenn Sie Ihre Mahlzeit mit Chili würzen. Und vorher das tief Luft holen bitte nicht vergessen!