Bringt weniger waschen mehr?

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Weniger ist mehr – das zumindest glauben die Anhänger der sogenannten Cleansing Reduction. Sie gehen davon aus, dass es für Haut und Haar besser ist, diese nicht so häufig beziehungsweise nur mit Wasser zu waschen. Dadurch soll der natürliche Schutzmantel der Haut geschont werden, Haare sollen weniger Talg produzieren und nicht so schnell nachfetten.

In den USA und Großbritannien ist “Cleansing Reduction” schon lange ein Thema, mittlerweile wird auch hierzulande immer häufiger diskutiert, wie oft man sich eigentlich waschen sollte. Unsere Redakteurin wagte mit ihren Haaren bereits den Selbstversuch und auch in der Community stieß unsere Umfrage auf reges Interesse und präsentierte interessante Ergebnisse: Rund 34 Prozent der knapp 6000 Teilnehmer/innen waschen sich nur jeden zweiten Tag die Haare. Mit je 28 Prozent liegen tägliches Haarewaschen und zwei bis drei mal pro Woche gleich auf. Immerhin 300 der Befragten gaben an, sich nur ein paar Mal im Monat die Haare zu waschen.

Wir haben bei Hautärztin Dr. med. Corinna Peter nachgefragt, was es mit “Cleansing Reduction” auf sich hat.

BRIGITTE: Ist es wirklich sinnvoll, sich weniger zu waschen, um die Hautflora zu schonen?

Dr. med. Corinna Peter: Im Prinzip schon. Bei uns in der Praxis sehen wir viele Probleme, die durch zu viel Waschen oder Eincremen entstehen. Gesunde Haut ist grundsätzlich in der Lage, sich selbst vor äußeren Einflüssen zu schützen.

Gibt es aus Dermatologen-Sicht eine Empfehlung, wie oft man duschen sollte?

Das kann man pauschal nicht sagen, da es von sehr vielen Faktoren abhängt – der Hautbeschaffenheit, wie viel man schwitzt, usw. Ich würde einen Trend auch nicht als Lebensanschauung radikalisieren. Man sollte einfach vernünftig mit der Haut umgehen: Zuviel ist nicht gut, zu wenig aber auch nicht.

Was halten Sie davon, sich nur mit Wasser oder nur selten mit Seife zu waschen?

Auch hier kommt es wieder auf die äußeren Umstände an. Grundsätzlich ist es gut, auf Duschgel zu verzichten, weil es die Haut entfettet. Fett oder Make-up lässt sich aber nicht allein mit Wasser entfernen. In diesen Fällen ist Seife notwendig und auch gut.

Gibt es Körperregionen, die man täglich waschen sollte?

Hände können Keime übertragen. Man muss sie oft waschen, damit die Hygiene stimmt. Aber man sollte es nicht übertreiben.

Gerade bei Menschen mit einem Hang zu Pickeln ist “Cleansing Reduction” ein großes Thema. Kann weniger Waschen oder das Weglassen von Produkten wirklich zu reiner Haut führen?

Die häufigste Entstehungsursache von Hautunreinheiten ist der übermäßige Gebrauch von Cremes. Und je mehr man die Haut wäscht und somit entfettet, desto mehr versucht sie, in Form von Talgproduktion gegenzusteuern. Bei unreiner Haut kann ein Verzicht oder die Reduktion von Produkten also durchaus sinnvoll sein.

Haare sollen durch den Verzicht von Shampoo nicht so schnell fettig werden. Stimmt das?

Jedes Shampoo enthält Tenside, die Fett lösen. Das Fett wird aber nicht nur aus den Haaren, sondern auch von der Kopfhaut gelöst. Wenn man seine Haare täglich wäscht, kommt es zu einem gewissen Gewöhnungseffekt, weil die Talgdrüsen jeden Tag neues Fett produzieren müssen. Wenn man dazu übergeht, die Haare nicht mehr täglich zu waschen, wird man nach wenigen Wochen merken, dass die Haare nicht mehr so stark nachfetten.

Kann Trockenshampoo ein Ersatz für die tägliche Haarwäsche sein?

Für zwischendurch ist es bestimmt praktisch. Da aber viele Rückstände im Haar bleiben, kann es auf Dauer kein Ersatz für eine richtige Haarwäsche sein.