Abszess: Schmerzhafte Eiterbeulen

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Ein Abszess ist ein mit Eiter gefüllter Hohlraum im Gewebe – also eine Art riesiger Eiterpickel. Um diese Eiterbeule herum baut der Körper eine Kapsel, die verhindern soll, dass sich die Entzündung weiter ausbreitet. Abszess-Salben aus der Apotheke können im Frühstadium helfen. Bei einem ausgeprägten Abszess bleiben sie allerdings wirkungslos.

Ärztin hält ein Plastikmodell der Haut vor dem Körper© iStock

Was ist ein Abszess?

Ein Abszess ist ein mit Eiter gefüllter Hohlraum, in der Regel als Folge einer Entzündung in der Haut. Prinzipiell kann eine Abszess überall im Körper entstehen, zum Beispiel

  • am Po,
  • im Intimbereich,
  • in der Achselhöhle,
  • im Mund oder sogar
  • im Gehirn

Meist tritt die Eiterbeule jedoch direkt unter der Haut auf, da sie als erstes mit den Krankheitserregern in Kontakt kommt. Oft bildet sich ein Abszess auch an den Körperstellen, die ständiger Reibung ausgesetzt sind – zum Beispiel an den Innenseiten der Oberschenkel oder am Po.

Ein Abszess ist ein mit Eiter gefüllter Hohlraum im Gewebe – ähnlich wie ein Eiterpickel.© iStock
Ein Abszess ist ein mit Eiter gefüllter Hohlraum im Gewebe – ähnlich wie ein Eiterpickel.

Abszess am Po

Bei einem Abszess am Po, auch Analabszess genannt, handelt es sich um eine Eiteransammlung im Bereich des Afters. Am häufigsten tritt ein Abszess am Po zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf – insbesondere bei Männern.

Die Ursache für einen Analabszess ist in der Regel eine Entzündung der kleinen Drüsen im Analkanal, den sogenannten Proktodealdrüsen. Wird die Schleimhaut des Analkanals durch häufige Toilettengänge oder sehr hartem Toilettenpapier gereizt, können Bakterien leichter in den Körper eindringen und eine Infektion der Proktodealdrüsen hervorrufen.

Durch die entzündliche Schwellung verstopfen die Ausführgänge der Drüsen, sodass der Eiter nicht abfließen kann. Wird der Druck in den Proktodealdrüsen zu groß, kann sich der Eiter in das umliegende Gewebe ausbreiten und zu einem schmerzhaften Abszess am Po führen.

Ursachen

In den meisten Fällen werden Abszesse durch Bakterien verursacht, die über winzig kleine Hautverletzungen in den Körper eindringen und dort eine Entzündung hervorrufen. Bei den verantwortlichen Bakterien handelt es sich meist um

  • Staphylokokken (v.a. Staphylococcus aureus),
  • Streptokokken oder
  • Escherichia coli.

Sobald die Krankheitserreger in den Körper gelangt sind, werden sie mithilfe von weißen Blutkörperchen bekämpft. Bei dieser Abwehrreaktion kann sich Eiter bilden, der aus abgestorbenen Geweberesten, Bakterien und weißen Blutzellen besteht. Anschließend baut der Körper um den Eiterbeutel herum eine Kapsel aus Bindegewebe, die verhindern soll, dass sich der Abszess weiter ausbreitet.

Wie die Krankheitserreger in den Körper gelangen, ist unterschiedlich. Dies kann zum Beispiel

  • eine Schürfwunde am Knie sein,
  • eine Schnittverletzung beim Rasieren oder
  • eine bakterielle Zahnentzündung (z.B. durch Karies).

Bei einem Abszess am Po ist meistens eine gereizte Schleimhaut im Bereich des Analkanals der Grund für die Infektion – zum Beispiel durch häufige Toilettengänge oder sehr hartem Toilettenpapier.

Insbesondere in der Stillzeit kann es auch vorkommen, dass sich die Brustdrüse entzündet. Diese sogenannte Mastitis puerperalis ist eigentlich harmlos und klingt bei entsprechender Behandlung in der Regel rasch ab. Schreitet die Brustentzündung jedoch weiter fort, kann sich im ungünstigsten Fall ein Brustabszess bilden.

Die gute Nachricht: Nur in wenigen Fällen entwickelt sich aus einer leichten Hautverletzung eine schmerzhafte Eiterbeule. Abszesse entstehen nur dann, wenn Bakterien in den Körper vordringen (etwa über eine Wunde) und wenn außerdem für das Bakterium günstige Bedingungen bestehen.

Faktoren, die die Entstehung eines Abszesses begünstigen, sind zum Beispiel:

  • Diabetes mellitus
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn)
  • bestehende Schäden an der Haut (bei Schuppenflechte oder Neurodermitis)
  • hygienisch schlechte Wundversorgung
  • eng anliegende und scheuernde Kleidung

Wenn ein Abszess immer wieder kommt, kann in seltenen Fällen auch eine angeborene oder erworbene Immunschwäche dahinterstecken. Häufiger ist aber eine zu hohe Keimdichte aufgrund mangelnder Hygiene die Ursache – gerade bei immer wiederkehrenden Abszessen im Intimbereich.

Unter Umständen kann auch eine (injizierte) Spritze einen Abszess verursachen. Ein sogenannter Spritzenabszess entsteht, wenn eine Spritze verabreicht wird, ohne die Haut vorher zu desinfizieren. Durch die hohen Hygienevorschriften in Krankenhäusern und Arztpraxen kommen diese Abszesse heutzutage jedoch kaum noch vor. Nur bei Drogenabhängigen oder bei Sportlern, die selbstständig mithilfe einer Spritze Heroin beziehungsweise Dopingmittel injizieren, bilden sich gelegentlich noch Spritzenabszesse.

Nicht immer sind Bakterien Ursache für einen Abszess. Chronische Entzündungen – wie etwa Morbus Crohn oder Tuberkulose – können ebenfalls zu Abszessen führen. Von diesen sogenannten “kalten Abszessen” sind meistens innere Organe betroffen. Im Gegensatz zu den Abszessen, die direkt durch Bakterien ausgelöst werden, enthalten “kalte Abszesse” kaum Eiter.

Symptome

Das erste Anzeichen für einen oberflächlichen Abszess ist ein unbestimmtes Druck- und Schmerzgefühl unter der Haut. Im weiteren Verlauf nehmen die Beschwerden zu und es zeigen sich die klassischen Entzündungszeichen.

Typische Symptome: Die betroffene Stelle ist

  • gerötet,
  • geschwollen und
  • äußerst druckempfindlich.

Manchmal lässt sich die Eiterbeule unter der Haut an ihrer weiß-gelblichen Farbe erkennen – ähnlich wie bei einem großen Pickel. Abszesse weisen allerdings eine wesentlich stärkere Rotfärbung auf als normale Pickel. Auch die Schwellung und die Eiterpustel sind deutlich größer.

Ein Abszess kann auch unter der Haut liegen. Der Eiter lässt sich nur erahnen.© iStock
Ein Abszess kann auch unter der Haut liegen. Der Eiter lässt sich nur erahnen.

Durch die Entzündung unter der Haut sind Abszesse in der Regel äußerst schmerzhaft – vor allem bei Bewegungen oder Berührungen. Bei einem Abszess am Po zum Beispiel können sich die Betroffenen unter Umständen nicht mehr hinsetzen, ohne dass Schmerzen auftreten. Manchmal treten die Schmerzen auch synchron zum Pulsschlagauf.

Wenn ein auf der Haut sichtbarer roter Streifen vom Abszess wegführt, haben sich die Erreger in den Lymphbahnen ausgebreitet. Man spricht in diesem Fall von einer sogenannten Lymphangitis.

Größere Abszesse oder Abszesse, die die inneren Organe betreffen, können außerdem

  • Fieber,
  • Abgeschlagenheit
  • sowie Kopf- und Gliederschmerzen hervorrufen.

Allerdings sind Abszesse im Körperinneren nicht immer mit Schmerzen verbunden – unter Umständen ist Fieber das einzig erkennbare Symptom.

Diagnose

Befindet sich der Abszess direkt unter der Haut, so ist in der Regel keine aufwändige Diagnose notwendig. Oberflächliche Abszesse kann der Arzt meist schon anhand der typischen Entzündungszeichen erkennen. Um festzustellen, welcher Erreger die Entzündung – und somit den Abszess – verursacht hat, ist jedoch ein Abstrich des Eitersnötig.

Tief liegende Abszesse sind von außen nicht zu erkennen oder zu ertasten. Hat sich zum Beispiel in den Nieren oder in der Lunge ein Abszess gebildet, so kann der Arzt ihn nur mithilfe bildgebender Verfahren erkennen. Dazu gehören

  • eine Ultraschall-Untersuchung,
  • eine Magnetresonanztomographie (MRT) und
  • eine Computertomographie (CT).

Zusätzlich bietet sich zur Abszess-Diagnose eine Blutuntersuchung an. Dabei untersucht der Arzt das Blut auf bestimmte Entzündungszeichen und Antikörper gegen den verantwortlichen Erreger.

Eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozytose) und eine gestiegene Konzentration von C-reaktivem Protein sind weitere Anzeichen für einen Abszess.

Abszess, Empyem, Furunkel, Karbunkel, Zyste: Was sind die Unterschiede?

  • Ein Abszess ist eine Eiteransammlung in einem durch Gewebeeinschmelzung entstandenen Hohlraum. Abszesse können im Gegensatz zum Furunkel überall im Körper auftreten.
  • Als Empyem beschreiben Ärzte eine Eiteransammlung in einer bereits bestehenden Körperhöhle – zum Beispiel in der Gallenblase oder in der Leber im Verlauf einer Gallenblasenentzündung.
  • Bei einem Furunkel ist ein Haarbalg zusammen mit dem umliegenden Gewebe eitrig und schmerzhaft entzündet. Daher können Furunkel ausschließlich an behaarten Stellen auftreten, typischerweise im Gesicht, im Nacken, in den Achselhöhlen und im Intimbereich.
  • Wenn mehrere benachbarte Furunkel zu einer großen Eiterbeule verschmelzen, entsteht ein sogenannter Karbunkel.
  • Eine Zyste ist ein meist gutartiger abgekapselter Hohlraum im Gewebe, der mit unterschiedlichen Substanzen gefüllt sein kann. Entzündet sich die Zyste aufgrund einer Infektion, kann sich im Inneren Eiter ansammeln.

Behandlung

Die einzig wirksame Behandlung besteht darin, den Abszess von einem Arzt entfernen zu lassen. Es gilt die Redewendung: “Wo Eiter ist, dort entleere ihn“. Aus diesem Grund setzen Ärzte bei der Behandlung auf eine Operation, wobei “Operation” wilder klingt, als es ist: In vielen Fällen – etwa bei oberflächlichen Abszessen oder bei einem Abszess am Po – reicht ein kleiner Schnitt, um den Abszess zu öffnen.

  • Befindet sich die Eiterbeule zum Beispiel direkt unter der Haut, wird der Arzt die betroffene Region zunächst örtlich betäuben.
  • Es folgt ein kleiner Hautschnitt an der Stelle, wo der Abszess sich am meisten vorwölbt – dadurch entleert sich meist spontan Eiter.
  • Anschließend entfernt der Arzt das entzündete Gewebe und säubert die Wunde, indem er sie spült.
  • Um zu verhindern, dass zurückgebliebene Krankheitserreger einen erneuten Abszess verursachen, lässt der Arzt die Wunde meist “offen” abheilen.
  • Im Anschluss ist es wichtig, die Wunde regelmäßig zu und säubern und die Verbände regelmäßig zu wechseln.

Ganz wichtig: Versuchen Sie nicht, den Abszess selbst auszudrücken oder aufzustechen! Drücken Sie zu stark auf den Abszess, kann es passieren, dass die Erreger in die Blutbahn gelangen und die Entzündung sich ausbreitet. In sehr seltenen Fällen kann ein solches “Herumdoktern” sogar dazu führen, dass eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) entsteht.

HausmittelAntibiotika oder Salben können allenfalls im Frühstadium und bei sehr kleinen Abszessen helfen. Der Grund: Abszesse kapseln sich ab. Sie bauen also eine Barriere gegenüber dem umliegenden Gewebe auf. Dadurch dringen die Wirkstoffe nicht bis in die Abszesshöhle vor und können den Erreger nicht bekämpfen.

Stechen Sie die Eiterbeule niemals selbst auf. Die Behandlung gehört in ärztliche Hand! Gelangen die Erreger in die Blutbahn, kann sich die Entzündung noch weiter ausbreiten.© iStock
Stechen Sie die Eiterbeule niemals selbst auf. Die Behandlung gehört in ärztliche Hand! Gelangen die Erreger in die Blutbahn, kann sich die Entzündung noch weiter ausbreiten.

Typischer Verlauf

Wie sich ein Abszess entwickelt, hängt vor allem ab von

  • der Größe,
  • der Lage und
  • der Behandlung.

Wird ein Abszess nicht ordnungsgemäß behandelt, besteht die Gefahr, dass Krankheitserreger zurückbleiben und der Abszess immer wiederkommt. Um Komplikationen zu vermeiden, sollten Sie daher nicht versuchen, den Abszess selbst zu öffnen.

Bei rechtzeitiger Behandlung durch den Arzt heilen Abszesse aber in der Regel ohne Probleme ab. Bis zur vollständigen Heilung können – je nach Größe der Abszesshöhle – mehrere Wochen vergehen.

Wichtig ist, die offene Wunde täglich zu säubern (Abduschen) und den Verband täglich zu wechseln. Nach der operativen Entfernung eines Analabszesses können Sitzbäder die Heilung beschleunigen – vor allem nach dem Stuhlgang sollte man hier verstärkt auf Hygiene achten.

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