1,6 Millionen abhängig von Beruhigungsmitteln

422 total views, 2 views today

Wenn es um Abhängigkeit von illegalen Drogen geht, wird oft emotional über das Problem diskutiert. Viel “versteckter”, aber nicht weniger problematisch ist die Abhängigkeit von Arzneimitteln: Bis zu zwei Prozent der Deutschen – 1,6 Millionen Menschen – dürften laut einer neuen Studie von Schlaf- bzw. Beruhigungsmitteln abhängig sein.

Katrin Jahnsen und die Co-Autoren haben bereits vorliegende wissenschaftliche Literatur zum Thema Verschreibung und Verwendung von Benzodiazepinen (Tranquilizer, Schlafmittel) analysiert.

Problematische Verschreibung

Zunächst fiel ihnen die häufige Verschreibung dieser Medikamente durch Ärzte auf. Die Mittel sind im Bedarfsfall hoch wirksam, sollten aber nicht länger als zwei bis vier Wochen verwendet werden.

Aber, so die Wissenschaftler: “Trotzdem bekommen vier bis fünf Prozent der Krankenversicherten zumindest einmal im Jahr Benzodiazepine oder Benzodiazepin-Derivate (…)verschrieben. Zusätzlich werden 13 bis 14 Prozent dieser Patienten 90 und mehr Tagesdosen verordnet.”

2,8 Prozent “sehr problematisch

Eine erst vor kurzem erfolgte Schätzung hätte für Deutschland ein Vorherrschen von Missbrauch und Abhängigkeit von diesen Medikamenten bei fünf Prozent der Bevölkerung ergeben.

“Sehr problematisch” sei die Verwendung der “Benzos” bei 2,8 Prozent der Benutzer, problematisch bei 17,5 Prozent. 20 Prozent jener Personen, welche im höheren Alter Benzodiazepine einnehmen, hätten einen problematischen Konsum.

Schlafstörungen und Unruhe

Insgesamt verschreiben die deutschen Ärzte 230 Millionen Tagesdosen Diazepine pro Jahr. Die Hälfte davon erfolgt auf Privatrezepte, was die Beobachtung der Entwicklung noch zusätzlich erschwert. Der größte Teil des Benzodiazepin-Gebrauchs stammt von einem einzigen Anwendungsgebiet.

“Jeder Zweite, der eines dieser Medikamente zu sich nimmt, schluckt es aufgrund von Schlafstörungen und jeder Vierte gegen innere Unruhe, Nervosität, Erregungs- oder Spannungszustände.”

Das Problem liegt vor allem darin, dass eine Abhängigkeit von diesen Medikamenten sehr schwer zu behandeln ist. Bei entsprechender Schwere müssen die Betroffenen stationär und längerfristig ins Spital aufgenommen werden.